HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN

Coronavirus-Pandemie

Das Coronavirus SARS-CoV-2 fordert unser Gesundheitssystem und unsere Hausarztpraxisteams im Moment immens. Als Hausärzteverband Baden-Württemberg sehen wir es in unserer Verantwortung, die hausärztliche Versorgung auch unter außergewöhnlichen Umständen zu schützen. Die Gesundheit unserer Hausärztinnen und Hausärzte und ihrer Teams steht für uns an oberster Stelle. Sie alle sind eine der wichtigsten Säulen unserer Gesundheitsversorgung! Damit Sie gut vorbereitet und informiert sind, haben wir wichtige Fragen und Antworten rund um die Coronavirus-Pandemie für die Hausarztpraxis zusammengestellt.

Wir sagen Danke!

Als Hausärzteverband Baden-Württemberg möchten wir uns ganz herzlich für den unermüdlichen Einsatz von Ihnen und Ihren Praxisteams bedanken! Bleiben Sie gesund und schützen Sie sich und Ihre Mitarbeiter. Dämmen Sie Arzt-Patienten-Kontakte und Patient-Patienten-Kontakte dafür so gut wie möglich ein und nutzen Sie neue Möglichkeiten der Patientenversorgung. Kümmern Sie sich in direktem Kontakt nur dann um COVID-19-(Verdachts-)Fälle, wenn Sie eine funktionsfähige Schutzausrüstung besitzen.

Versorgung neu denken

Was ist eine Fieberambulanz und wie richte ich sie ein? | Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth

Patienten mit Fieber und Infekten haben es zunehmend schwer, einen Termin beim Hausarzt zu bekommen. Sie müssen aber bei anhaltenden Beschwerden genauso versorgt werden. Deshalb hat in der Huchenfelder Hochfeldhalle in Pforzheim eine Fieberambulanz (www.corona-ambulanz-pforzheim-biet.de) eröffnet. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Hausärztin im Enzkreis und Vorstandsmitglied im Hausärzteverband Baden-Württemberg, arbeitet dort aktiv mit. 

Warum haben Sie eine Fieberambulanz eröffnet?
Nicola Buhlinger-Göpfarth: Die ambulante Versorgung ist an vielen Orten in Baden-Württemberg nur noch sehr eingeschränkt möglich. Viele Hausarztpraxen können nicht arbeiten, weil sie keine Schutzausrüstung mehr haben. Kliniken, Notrufnummern und Gesundheitsämter sind infolge vollkommen überlastet. Mit Hilfe von Fieberambulanzen helfen wir die ambulante Versorgung wieder sicherzustellen, das dürfen unsere Patientinnen und Patienten zu Recht von uns erwarten. Es kommt keine Hilfe von außen, wir müssen als Hausärztinnen und Hausärzte selbst handeln!

Was ist Aufgabe einer Fieberambulanz?
Nicola Buhlinger-Göpfarth: Die Aufgabe einer Fieberambulanz ist die Triagierung von Patienten. Wir trennen Patienten, die ambulant verbleiben können, von denen, die eine stationäre Behandlung brauchen. In der Fieberambulanz begegnen uns vor allem fiebernde Patienten mit Vorerkrankungen und ältere Patientinnen und Patienten.

Was ist bei der Errichtung einer Fieberambulanz zu beachten?
Nicola Buhlinger-Göpfarth: Wer eine Fieberambulanz einrichten möchte, muss sich sehr gut mit allen zuständigen Stellen vernetzen. Dazu zählen das Gesundheitsamt, die örtliche Verwaltung und Verwaltungsbeamte der örtlichen Behörden, der Katastrophenschutz, das Deutsche Rote Kreuz, die Klinikärzte, die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, der Hausärzteverband Baden-Württemberg  und natürlich die Kolleginnen und Kollegen vor Ort.

Wie wird die Arbeit als Fieberambulanz vergütet?
Nicola Buhlinger-Göpfarth: Jede Fieberambulanz hat eine eigene BSNR, die man bei der Kassenärztlichen Vereinigung erfragt. Alle Kolleginnen und Kollegen, die dort mitarbeiten, rechnen über ihre LANR mit der KV ab.

Auf welche Herausforderungen stellen Sie sich derzeit besonders ein?
Nicola Buhlinger-Göpfarth: Wir rechnen täglich mit neuen Herausforderungen und mit wenig Schlaf in den nächsten Wochen. Wir sind darauf vorbereitet, dass am Anfang vielleicht auch improvisiert werden muss und Arbeitsabläufe täglich angepasst werden müssen.

Wie organisiere ich eine Fieberambulanz? | Marianne Difflipp-Eppele

In Karlsruhe hat Marianne Difflipp-Eppele, Hausärztin und Vorstandsmitglied im Hausärzteverband Baden-Württemberg, in ihren Praxisräumen eine Fieberambulanz eingerichtet. Ihre Räumlichkeiten mit Anmeldung, Wartezimmer und zwei Sprechzimmern sowie einem zusätzlichen Wartezimmer und vier weiteren Sprechzimmern in Reserve sind ideal geeignet.

Wie ist Ihre Fieberambulanz organisiert?
Marianne Difflipp-Eppele: Unsere Fieberambulanz ist täglich von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, so dass werktags Hausarztpraxen und am Wochenende die Integrierte Leitstelle Patienten anmelden können. Bei steigendem Bedarf ist geplant, die Zeiten auf 10:00 bis 14:00 Uhr und 16:00 bis 20:00 Uhr auszuweiten. 

  • Aktualisierung (28.03.2020): Wir müssen unsere Abläufe permanent den Anforderungen anpassen. Im Moment arbeitet jeweils ein Team aus Arzt und MFA in der Fieberambulanz. Wenn mehr Kollegen erkranken oder in Quarantäne müssen, kann es erforderlich sein, dass mehrere Teams aus Ärzten und MFAs zeitgleich dort arbeiten müssen.

Die Praxisorganisation erfolgt über einen Online-Kalender. Über einen Zugangscode können unter der Woche die Kolleginnen und Kollegen aus den Hausarztpraxen und am Wochenende die Integrierte Leitstelle Termine im 10-Minuten-Takt online eintragen. 

  • Aktualisierung (28.03.2020):  Zusätzlich ist montags bis freitags von 09:00 bis 16:00 Uhr eine Telefonnummer geschaltet, unter der Patienten angemeldet werden können.  Der diensthabende Arzt in der Fieberambulanz vergibt die Termine selbst und hat die Möglichkeit Rückfragen zu stellen. Behandelt werden nur angemeldete Patienten, es besteht kein freier Zugang. Am Wochenende gibt die 116 117 die Telefonnummer an durch telefonische Abfrage vorgefilterte Patienten. Dazu zählen a) Patienten, die 80 Jahre  oder älter sind, mit Fieber, Husten und Allgemeinsymptomen sowie b) chronisch kranke Patienten mit Fieber, Husten und Allgemeinsymptomen und c) Patienten ohne chronische Vorerkrankung mit Fieber, Husten und Allgemeinsymptomen, sofern die Beschwerden sich so verschlechtern, dass sie untersucht werden müssen und eine häusliche Isolation als alleinige Maßnahme nicht mehr ausreicht.

Die Patienten bekommen an der Anmeldung einen Mundschutz und einen Anamnesebogen. Wir führen keine Abstriche durch. Die diensthabenden Ärzte bringen jeweils ihre MFA mit. Es gibt eine Umsatzgarantie von 150 Euro für Arzt und MFA pro Stunde.

Mit dem Labor ist vereinbart, dass sie für uns große Blutbilder und CRP bestimmen. Die Proben werden jeden Abend abgeholt und einen Server eingerichtet, so dass die Ergebnisse auf den PC eingespielt werden können. Röhrchen und Blutentnahmematerial wird uns gestellt.

Wie ist die Fieberambulanz ausgestattet?
Marianne Difflipp-Eppele:  Mobiliar, Reinigung, Abfallentsorgung, Seife, Handtücher und Toilettenpapier stellt unser Landratsamt. Die Hard- und Software (T2med) wurde bei uns über die Firma Netzwerft eingerichtet inklusive einem zentralen Drucker an der Anmeldung und einem Kartenlesegerät. 

Für den Anfang haben wir bestellt: ein Ohrthermometer mit Schutzhüllen, ein Otoskop mit Tipps, ein elektronisches Blutdruckmessgerät, eine Sauerstofflasche mit Druckminderer, ein Pulsoximeter, Mundspatel, Latex-Handschuhe Gr. M und L, Infusionslösungen, Braunülen, Kanülenabwurfboxen, Mulltupfer, Octenisept Sprühflaschen, Flächendesinfektionsmittel (Sprühflaschen) und Schutzbrillen. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg stellt Schutzausrüstung (Masken und Kittel), Desinfektionsmittel und Mundschutz-Masken für die Patienten.

Wie erfolgt die Abrechnung in der Fieberambulanz?
Marianne Difflipp-Eppele:  In das Praxis-Programm T2med können aktuell bis zu 20 LANR eingepflegt werden. Die Leistungen werden also auf den jeweiligen Arzt abgerechnet werden, der sich am Anfang seines Dienstes anmeldet. Wichtig ist, dass man die genaue Anschrift der Fieberambulanz kennt. Die Adresse braucht man, weil die Fieberambulanz eine eigene BNSR bekommt. Wir in Karlsruhe sind zunächst mit den Rezepten und der BSNR unserer Notfallpraxis gestartet. 

Die Corona-Pandemie und die Grippewelle
Im Interview mit Baden TV aktuell vom 25. September 2020 (ab Minute 10:15) spricht Marianne Difflipp-Eppele über die Herausforderungen der kalten Jahreszeit und die Reaktivierung von Fieberambulanzen.

Wie schütze ich meine Praxis vor Infektionen? | Dr. Doris Reinhardt  

Dr. Doris ReinhardtDr. Doris Reinhardt, niedergelassene Hausärztin in Friesenheim und Vorstandsmitglied im Hausärzteverband Baden-Württemberg beschreibt, welche Maßnahmen sie in ihrer Praxis ergriffen hat, um die Infektionsgefahr soweit es geht zu reduzieren.

Zur Vermeidung von Infektionen in der Praxis ist im Umgang mit Patienten auch weiterhin wichtig, dass sämtliche Kontakte soweit es geht vermieden werden. Darum sollten Patienten nur einzeln in die Praxis gelassen werden und bei Gesprächen sollten auch in den Praxisräumen mindestens 1,5 bis 2 m Abstand gehalten werden. Infektpatienten können von allen anderen Patienten zeitlich getrennt werden, um so Kontakte möglichst zu vermeiden. Die Mitarbeiter in der Praxis sollten mit FFP-2-Masken im Kontakt mit Infektpatienten geschützt werden und durch das Beachten der Mindestabstände sowie häufiger Händehygiene.

Alle Untersuchungen am Patienten finden so kontaktarm und so zeitlich begrenzt wie nur möglich statt. Nach der Untersuchung werden die Patienten direkt wieder rausgeschickt und alle Unterlagen werden den Patienten nach draußen gereicht und außerhalb der Praxis übergeben.

Alle Patienten, die eine Rezeptverordnung benötigen und medizinische Fragen haben, die nicht einer ärztlichen Untersuchung bedürfen, können sich zur telefonischen Beratungssprechstunde anmelden, für die bewusst mehr Zeit im Praxisalltag eingeplant ist. Für die Bestellung von Rezepten ist ein Rezept-Anrufbeantworter installiert, auf dem die Patienten rund um die Uhr Rezepte bestellen können. Während der Corona Krise wurde dieser Service noch erweitert: am Ende der Sprechstunde können die Rezepte in eine von den Patienten genannte Apotheke gebracht werden. Weiterhin in die Praxis kommen sollten alle Patienten, die ärztlich Untersucht werden müssen, dies gilt auch für Hausbesuche.

Zur Entlastung der Hausärzte und Notfallpraxen werden zunehmend Fieber- oder Corona-Ambulanzen eingerichtet. So auch in der Oberrheinhalle in Offenburg. Dort öffnet die Fieberambulanz am 6. April für die Patienten. Die Fieberambulanz ist täglich von 10-16 Uhr für Patienten mit Verdacht auf eine Coronainfektion, nach Anmeldung durch den Hausarzt geöffnet. Es ist damit zu rechnen, dass die Zahlen der Infizierten bis Ostern deutlich steigen werden, darum müssen die Hausarztpraxen unterstützt werden, damit die niedergelassenen Ärzte ihren Betrieb aufrechterhalten können. Dabei ist ebenfalls wichtig, die Patienten so zu steuern, dass sie nicht die Kliniken aufsuchen, die sich auf die Behandlung schwerkranker Infizierter vorbereiten.

Medienberichte:
„So kontaktarm wie möglich“ |  01.04.2020 | Badische Zeitung
Offenburg bekommt Corona-Ambulanz |  02.04.2020 | Badische Zeitung
Am Montag eröffnet die Corona-Ambulanz in Lahr | 04.04.2020 | Badische Zeitung
Pressekonferenz aktueller Stand Corona-Entwicklung im Ortenaukreis - 14.5.2020

Wie arbeitet eine Corona-Ambulanz? | Dr. Susanne Bublitz

Dr. Susanne Bublitz ist Hausärztin in einer Gemeinschaftspraxis im Hohenlohekreis und engagiert sich im Hausärzteverband Baden-Württemberg zum Beispiel im Forum Hausärztinnen Baden-Württemberg. Um die ambulante Versorgung im Hohenlohekreis in der Coronavirus-Krise zu stärken, haben die niedergelassenen Ärzte zusammen mit ihren Kollgen im Krankenhaus eine Corona-Ambulanz organisiert.

Wie haben Sie die ambulante Versorgung im Hohenlohekreis organisiert?
Susanne Bublitz: Fast alle Hausärzte haben ihre normale Sprechstunde eingestellt und behandeln nur noch Notfälle. Diese Notfälle versuchen wir nach Infekten und Nicht-Infekten aufzuteilen. Leichte Infekte werden telefonisch organisiert, bei Alarmsymptomen kommen sie in die Hausarztpraxis oder werden zu Hause besucht.  Infektpatienten, bei denen nicht klar ist, ob sie weiter ambulant behandelt werden können oder stationär aufgenommen werden müssen, können in der neuen Corona-Ambulanz im Krankenhaus weiter untersucht werden. Das Krankenhaus hat dafür die erforderliche Ausstattung. Das Personal kann aber nicht zwei Ambulanzen gleichzeitig besetzen. Deshalb unterstützen wir die neue Corona-Ambulanz zum Teil mit niedergelassenen Ärzten, um die Kollegen des Krankenhauses zu entlasten.

Was sind die größten Herausforderungen in der Corona-Ambulanz?
Susanne Bublitz: Probleme haben uns vor allem logistische Fragen bereitet: Wie wissen wir, dass ein Patient da ist? Wer holt ihn aus dem Wartebereich ab? Wer bedient den Computer, wenn der Arzt den Patienten untersucht hat? Wer organisiert das Röntgen? Wie kommt dann der Befund von der Radiologie im 1. Stock zu uns nach unten?

Die Organisation gestaltet sich noch etwas holprig, weil wir die Strukturen des Krankenhauses nutzen, aber die Abläufe und Formalitäten im System der Kassenärztlichen Vereinigung ganz andere sind. Wir können deshalb nicht auf die Krankenhaussoftware zugreifen und mussten deshalb kurzfristig eine Praxisinfrastruktur aufbauen. Wir arbeiten im Moment mit einer Computereinheit mit zertifizierter Praxissoftware. Damit können wir Überweisungen für das Röntgen und für eine Blutgasanalyse in der Inneren Medizin ausstellen. Das Krankenhaus kümmert sich in der Ambulanz auch um die Fälle, die stationär aufgenommen werden müssen. Daher können wir für diese Untersuchungen gegebenenfalls auch auf eine Schwester des Krankenhauses zurückgreifen.

Wann ist die Corona-Ambulanz geöffnet?
Susanne Bublitz: Im Moment arbeiten wir in zwei Dienstschichten: 10:00 bis 14:00 Uhr und 14:00 bis 18:00 Uhr. Es hat sich gezeigt, dass der Zustand von Patienten sich auf den Nachmittag und Abend verschlechtert.

Wo werden Sie von verschiedenen Stellen unterstützt?
Susanne Bublitz: Wir probieren mit unserer Corona-Ambulanz im Moment die Überwindung von Sektorengrenzen aus. Die Zusammenarbeit mit der Klinik ist sehr positiv und die Verwaltung unseres Krankenhauses zeigt sich sehr flexibel. Ich hoffe, dass sich so eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten herstellen lässt.

Das Landratsamt hat uns einen Kopierer, ein Handy und eine Kaffeemaschine zur Verfügung gestellt. Wir können auf zwei Medizinstudentinnen und einen Rettungssanitäter zurückgreifen, die die Bedienung des Computers übernehmen, die Patienten von A nach B bringen und verschiedene Untersuchungen organisieren. Die Kassenärztliche Vereinigung liefert uns das Verbrauchsmaterial wie Masken und Schutzkittel.

Wie wird die Arbeit in der Corona-Ambulanz vergütet?
Susanne Bublitz: Wir sind offiziell eine "Fieberambulanz". Die Kassenärztliche Vereinigung hat einen Notdienstplan eingerichtet. Wir rechnen je Patient eine Notdienstpauschale von rund 13 Euro ab. Die KV bezahlt aber eine Umsatzgarantie von 150 Euro pro Stunde.

Dr. Susanne Bublitz im Interview:
Report Mainz: Der baden-wüttembergische Hohenlohekreis im Krisenmodus |  14.04.2020 | SWR

Was passiert, wenn ich als Hausarzt an COVID-19 erkranke? | Dr. Jürgen Herbers

Dr. Jürgen Herbers ist Fortbildungsbeauftrager im Vorstand des Hausärzteverbands Baden-Württemberg und Hausarzt in einer Gemeinschaftpraxis. Ende März hat er sich mit COVID-19 infiziert und in dieser Zeit viele Erfahrungen für den Ernstfall gesammelt.

Wie lange darf ich nicht arbeiten, wenn ich an COVID-19 erkranke?
Jürgen Herbers: Ganz konkret legt dies das örtlich zuständige Gesundheitsamt fest. Vom Robert-Koch-Institut (RKI) wird zur Dauer der Quarantäne empfohlen: Nachdem zwei Tage Symptomfreiheit bestand, müssten zwei Abstriche im Abstand von 24 Stunden negativ sein, damit wieder Arbeit mit Patientenkontakt aufgenommen werden darf. Für mich gilt diese Regel ebenfalls. Es gibt aber andere Entscheidungen, z.B. Ende der Quarantäne nach 14 Tagen, entweder mit einem oder auch ohne negativen Abstrich.

Was sind die ersten Schritte, die ich unternehmen muss? Woran muss ich auf jeden Fall denken?
Jürgen Herbers: Ich persönlich hatte das große Glück, in einer Gemeinschaftspraxis zu arbeiten. Sowohl mein Praxispartner als auch die angestellte Fachärztin und der angestellte Facharzt waren gesund und durften weiterarbeiten. Das war für mich persönlich sehr entlastend, ich durfte „einfach krank sein“ und meine Krankheit ohne weitere Überlegungen und organisatorische Änderungen auskurieren, ähnlich wie bei einer „normalen“ Krankheit.

Mein Praxispartner musste in dieser Zeit allerdings deutlich mehr arbeiten, er übernahm meine Patienten und insbesondere die weiterhin notwendigen Heimhausbesuche. Seine freien Vor- oder Nachmittage konnte er dadurch nicht nehmen. Ich bin sehr dankbar, dass dies in dieser Krisenzeit so wunderbar geklappt hat.

Mittlerweile habe ich aber auch Kontakt zu anderen betroffenen Kollegen. Sobald die Praxis plötzlich schließen muss, sind verschiedene Dinge zu beachten und zu organisieren:

  • Vertretung
    Wenn eine oder mehrere Praxen zur Vertretung gefunden wurden, müssen die Patienten informiert werden (Bandansage am Telefon, Aushang, evtl. Info auf der Homepage, evtl. Anzeige in der örtlichen Presse). Möglichst sollten auch die Patienten, die in den nächsten drei Tagen einen Termin haben, informiert werden. Vorsichtshalber sollten Kreisärzteschaft, KV, die örtlichen Apotheken und Sozialstationen, die Rettungsstelle sowie der Bürgermeister informiert werden.
  • Das Organisatorische
    Wie bei einem Urlaub müssen verschiedene Dinge geklärt werden: Abbestellen der Laborfahrer und Zeitschriften / Tageszeitung.
    Vielleicht hält jemand vom Team telefonisch „Stallwache“ in der Zeit der Quarantäne, damit die Praxis telefonisch erreichbar ist und wichtige Informationen weitergegeben werden können? Es muss geklärt sein, was mit Post und Paketen passiert. Gibt es noch Lieferanten, die informiert werden müssen (z.B. Blumengestecke, Lebensmittel)? Hier empfehlen sich Listen, die z.B. für den Urlaub erstellt wurden und sich vielleicht im QM-Ordner finden lassen.
  • Videosprechstunde
    Bin ich krank, nutzt auch eine Videosprechstunde nichts. Bei Quarantäne und Gesundheit könnte aber eine Video- oder Telefonsprechstunde abgehalten werden. Dies erfordert aber Organisation: das Telefon muss besetzt sein, um Video- oder Telefonsprechstundentermine zu vergeben. Verordnungen müssen dann ausgestellt werden können, also darf die Praxis nicht komplett geschlossen sein. Dies geht also nur dann, wenn die Quarantäne nicht die gesamte Praxis, sondern z.B. nur die Praxisinhaber trifft
  • Finanzielles
    In Gemeinschaftspraxen ist es normalerweise im Vertrag geregelt, wie die finanziellen Auswirkungen von 1-2 Wochen Krankheit zwischen den Praxispartnern zu werten sind, zumal wenn die Praxis „normal“ weiterlaufen kann. Problematisch ist es für Praxen, die wegen Quarantäne schließen müssen. Nach Infektionsschutzgesetz haben die Praxisinhaber bei offiziell angeordneter Quarantäne eine Pflicht zum Kostenersatz. Je nach Bundesland muss man sich an die entsprechende Stelle wenden und dort den Kostenersatz beantragen. Für Baden-Württemberg sind diese Stellen die örtlich zuständigen Gesundheitsämter.

Welche Auswirkungen hat meine Erkrankung auf die Arbeitsabläufe in meiner Praxis und die Versorgung in der Region?
Jürgen Herbers: Dies hängt ebenfalls von der Praxisform ab. In der Gemeinschaftspraxis wird dies einfacher zu klären sein, wenn der Praxispartner noch arbeiten kann. Ansonsten oder bei Einzelpraxen wäre zu klären, ob Video- und Telefonsprechstunde möglich sind. Damit ist in der Krise eine ausreichende Patientenversorgung möglich. Patienten, die körperliche untersucht werden müssen, können dann an andere Praxen vermittelt oder in dringenden Fällen auch stationär angemeldet werden. Hierzu muss aber in der Regel die Praxis von einer MFA besetzt sein, ist also auch nur dann möglich, wenn nicht die Praxis als ganzes in Quarantäne geschickt wurde.

Je nach Größe der Praxis und der ärztlichen Versorgung in der Nähe kann dies zu erheblichen Einbrüchen in der regionalen Versorgung führen, insbesondere wenn auch noch Heime oder Behinderteneinrichtungen regelmäßig betreut wurden. Die Information der umliegenden Kollegen, die sich ja in der Regel aus den PTQZ (Pharmakotherapie-Qualitätszirkeln) kennen, ist hier besonders wichtig.

Welche Vorkehrungen kann das Hausarztpraxisteam für den Ernstfall treffen?
Jürgen Herbers: Da jede Praxis Gefahr läuft, in eine solche Quarantäne-Situation zu kommen, sollten jetzt Notfall-Pläne erstellt werden. Die oben angesprochenen Punkte (wer muss informiert werden, an welche Stellen kann ich mich wegen finanzieller Probleme wenden, wer vertritt uns u.a.) müssen überlegt und das Ergebnis schriftlich festgehalten werden, und zwar gleich mit den Adressen und Telefonnummer, damit man später nicht lange suchen muss.

Welche Vorkehrungen können die Hausärzte in der Region gemeinsam treffen?
Jürgen Herbers: Die regional organisierten Ärzte sollten sich absprechen, wer wen vertritt und wer in die Heime geht. Aber auch die Urlaubszeiten sollten geplant werden: Wer geht wann in Urlaub? Ist Urlaub überhaupt sinnvoll in dieser Zeit? Im Fall des Falles können dann Listen und Absprachen schnell abgearbeitet werden bzw. gelten. 

CORONA-CHRONIKEN - ARBEITSALLTAG IN DER KRISE Hausarzt Dr. Jürgen Herbers war selbst an Corona erkrankt |  03.06.2020 | SWR

Wie ist die hausärztliche Versorgung in Pflegeheimen während der Corona-Pandemie organisiert? | Markus Common

Markus Common ist Vorstandmitglied im Hausärzteverband Baden-Württemberg und Hausarzt in Hüfingen im Schwarzwald-Baar-Kreis. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass Hausärzte, die Pflegeheime betreuen, im Moment nicht nur Ansprechpartner für medizinische Fragen sind.

Wie erleben Sie als Hausarzt die aktuelle Situation in unseren Pflegeheimen?
Die Situation befindet sich in stetigem Wandel. Zu Beginn der Pandemie waren die Pflegeheime in großer Zahl nicht auf diese Situation vorbereitet. Schutzausrüstung fehlte, Wissen fehlte und Maßnahmen, die getroffen hätten werden müssen, haben lange gedauert. Als Hausarzt hat man nicht nur medizinische Arbeit geleistet. Man war und ist erster Ansprechpartner für alle! Wir beschäftigen uns nicht nur mit der medizinischen Versorgung der Bewohner, sondern kümmern uns auch um den Austausch mit den Heimleitern und dem Pflegepersonal: Was bedeutet Quarantäne? Wie muss und kann man sie umsetzen? Wo kann man noch Schutzausrüstungen bestellen?

Der Kommunikationsfluss von den Gesundheitsämtern und der Heimaufsicht zu den Heimleitungen und den Hausärzten war oft nicht gut organisiert. Manche Pflegeheime waren sehr lange frei von COVID-19, andere hat es schnell getroffen, sodass sich damit auch die Situation der Hausärzte sehr unterschiedlich gestaltet hat. Die Versorgung der Bewohner konnte jedoch insgesamt sehr gut sichergestellt werden.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis haben sich die Hausärzte größtenteils selbst organisiert. Je Pflegeheim haben nur noch ein oder zwei Hausärzte Hausbesuche durchgeführt, sofern die betreuenden Hausärzte die Besuche angefordert hatten. Einweisungen in das Krankenhaus wurden bei entsprechender Symptomatik veranlasst. Palliative Situationen aufgrund von COVID-19 habe ich persönlich nicht erleben müssen, aber auch für diesen Fall sind wir Hausärzte gerüstet.

Welche neuen Anforderungen werden an Hausärzte gestellt, die Patienten in Pflegeheimen betreuen?
Im Schwarzwald-Baar-Kreis sind für jedes Pflegeheim ein oder zwei Hausärzte eingeteilt, die Hausbesuche, wenn vom zuständigen Hausarzt angefordert, durchführen. Zusätzlich gibt es noch das „Coronamobil“, das bei COVID-19-Verdachtsfällen Rachenabstriche durchführt und über die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg organisiert ist.

Neu ist die so genannte „asymptomatische freiwillige Testung“ der Bewohner und des Personals in Pflegeheimen. Mehrere Stunden am Tag in einer kompletten Schutzausrüstung Abstriche durchzuführen, ist durch die mangelnde Luftzufuhr und die Hitze unter den Anzügen körperlich und geistig sehr anstrengend. Demenzkranke Patienten verstehen zum Teil nicht, warum sie getestet werden. Natürlich gibt es auch Verweigerer unter den Bewohnern und dem Personal, verbunden mit entsprechenden Diskussionen.

Über die Ernennung von Hausärzten als Pandemie-Beauftrage durch die KVBW  | Dr. Johannes Fechner

Dr. Johannes Fechner ist kooptiertes Mitglied im Vorstand des Hausärzteverbands Baden-Württemberg und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).

Hausärzte haben als zentrale Gesundheitsversorger in der Coronavirus-Pandemie eine Schlüsselrolle. Eine Forderung des Hausärzteverbandes war es, dass Hausärzte in die regionale Gesundheitskoordination, insbesondere zu Pandemie-Zeiten, eingebunden werden müssen. Wegweisend ist dabei die Entscheidung der KVBW, die erstmalig im Bundesgebiet regelhaft Hausärzte zu Pandemie-Beauftragten benennt und damit die Einbindung dieser in den regionalen Gesundheitsgremien manifestiert.

Vielen Dank für diesen wichtigen Entschluss der KVBW. Wie kam es zur Entscheidung, Hausärzte als Pandemie-Beauftragte zu benennen?
Bereits während der 1. Welle war in manchen Regionen Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen Mandatsträgern zu beobachten oder in der Hektik mangelnde Absprachen mit den Stadt- und Landkreisen zu verzeichnen. Es war mir damals schon klar, dass wir je Region einen Ansprechpartner benötigen - analog der Notfallpraxisbeauftragten im ärztl. Bereitschaftsdienst.

In der ruhigen Zwischenphase hatten wir mehrere Gesprächsrunden mit den Vertretern der Kommunalverbände, hier wurde das Angebot von regionalen Pandemie-Beauftragten dankbar angenommen und zugesichert, diese in den Lenkungsgremien mit festem Sitz und Stimme zu verankern.

Als KVBW vertreten Sie ja haus- und fachärztliche Interessen. Wie verliefen die Diskussionen bei der Entscheidung Hausärzte als Pandemie-Beauftragte zu berücksichtigen?
Richtig ist, dass ich als Mitglied des Vorstands die Interessen sämtlicher Ärztinnen und Psychotherapeutinnen in der KVBW vertrete, andererseits nehme ich die Position des gesetzlich vorgegebenen hausärztlichen Vorstandmitglieds wahr. Die Diskussion zu den Benennungen war kurz – überwiegend wurden Kollegen mit Bezug zur örtlichen Notfallpraxis benannt – diese entstammen ganz überwiegend dem hausärztlichen Lager. Zusätzlich baten wir noch Kollegen, die sich während der 1. Welle als Leiter von Abstricheinheiten bewährt hatten, die Aufgabe des Pandemie-Beauftragten zu übernehmen. Es sind aber auch ein Nephrologe, zwei Chirurgen und ein Pädiater im Amt. Letztlich ist die Zuordnung zu einem Versorgungsbereich aber unerheblich – Hauptsache, die Aufgabe wird gemeistert.

In der Corona-Pandemie haben sich außergewöhnlich viele Frauen durch die Initiierung von Fieberambulanzen und Corona-Schwerpunktpraxen hervorgetan. Wie erklären Sie sich diesen neuen Trend?
Eine wissenschaftlich begründete Erklärung habe ich nicht. Vielleicht wurden steinzeitliche Instinkte reaktiviert. Die männlichen Vorfahren schweiften auf der Suche nach Nahrung in der Gegend umher, während die Frauen die Höhle organisierten und pragmatisch das Alltagsleben anpackten und ordneten. Inwieweit ich eine Fieberambulanz mit einer Höhle vergleichen kann, überlasse ich der Phantasie der Leser. 

Hausärzte in Abstrichstellen im Einsatz | Dr. Doris Reinhardt

Dr. Doris ReinhardtDr. Doris Reinhardt ist Vorstandsmitglied im Hausärzteverband Baden-Württemberg und Pandemiebeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) im Ortenaukreis. 

Die KVBW hat mit Beginn der Corona-Pandemie mit strukturellen Versorgungskonzepten die niedergelassenen Ärzte, allen voran die Hausärzte bei der Patientenversorgung unterstützt. In der Umsetzung hat Doris Reinhardt als Pandemiebeauftragte der KV für den Ortenaukreis in enger Abstimmung mit dem Landkreis, Kliniken und Ärzteschaft im Krisenstab vertreten und immer wieder informiert.

„Wir haben Testkonzepte entwickelt, auch für Praxen, die selbst nicht testen, Betreu-Teams in Pflegeheimen initiiert und ein „coronamobil“ ergänzend zum Fahrdienst eingesetzt. Corona Ambulanzen seit April dezentral aufgebaut und nun wurde eine zentrale Abstrichstelle in Offenburg für asymptomatische Reiserückkehrer und LehrerInnen und ErzieherInnen, sowie Kontaktpersonen eingerichtet. Dies immer in enger Abstimmung mit den Versorgungsangeboten und Ressourcen der Praxen und Corona-Schwerpunktpraxen.

Ein Zwischenfazit lässt sich an der Stelle schon mal klar formulieren: vor allem die Hausärztinnen und Hausärzte mit den Kinderärzten leisten all diese Mehrarbeit. Und in den zusätzlichen Strukturen sind es wiederum vor allem die Hausärztinnen, die sich bereitwillig einbringen, kollegial abstimmen um all das neben Praxis und Familie zu ermöglichen. Eine Frauenquote von 80% bei diesen Zusatzdiensten zeigt, dass uns beim Thema Feminisierung in der Medizin nicht bange werden muss.“

Was wir aus der Krise lernen können

Wie wird unser Gesundheitssystem und die hausärztliche Versorgung nach der Coronavirus-Krise aussehen? | Dr. Ingo Hrastnig 

Auch wenn es im Moment für viele Menschen schwer vorstellbar ist: Es wird eine Zeit nach der Coronavirus-Krise geben. Dr. Ingo Hrastnig ist hausärztlicher Internist in Stuttgart und Delegierter im Hausärzteverband Baden-Württemberg. Die Coronavirus-Krise hat aus seiner Sicht ganz deutlich gezeigt, was Patienten in einer gesundheitlichen Ausnahmesituation brauchen: Eine Anlaufstelle für ihre Gesundheitssorgen und Krankheitssymptome – den Hausarzt oder die Hausärztin!  

Was wird sich durch die Corona-Pandemie verändern? Gibt es Bereiche, in denen wir wieder zur Normalität zurückkehren können?
Ingo Hrastnig: Im März, auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Krise und der Grippesaison, haben wir in unserer Gemeinschaftspraxis in Stuttgart 30 bis 40 Patienten täglich mit möglichen Symptomen einer COVID19-Erkrankung beraten und behandelt. Die allermeisten Fälle haben wir dabei selbst managen können. Ganz ohne Fieber-Ambulanz, Corona-Schwerpunktpraxis, Fachärzte oder gar das Gesundheitsamt, einfach durch intensive Beratung, Schulung und Führung der Patienten. Seit Anfang April gehen diese Beratungsanlässe deutlich zurück, auch die Zahl der Patienten mit Erkältungssymptomen nimmt stark ab. Wir konnten auf diese Weise viele ungeplante und unnötige Eigenvorstellungen in den Krankenhäusern verhindern.

Die Menschen sind in dieser gesellschaftlichen Gesundheitskrise aber weiterhin stark verunsichert und haben eines ganz stark gemerkt: Wie wichtig die zuverlässige Versorgung in der vertrauten und schnell verfügbaren Hausarztpraxis um die Ecke für sie ist! Wir hören oft, wie beruhigend und wichtig es sei, dass wir da sind, gerade jetzt in dieser Krise – und das von allen Altersgruppen!

Das wird meiner Einschätzung auch nach der Krise bleiben: Die gewachsene Überzeugung, wie wichtig eine hausärztliche Praxis in der Nähe ist, an die man sich jederzeit mit allen Fragen wenden kann, wenn es einem gesundheitlich nicht gut geht. Aber auch wenn man in Gesundheitsfragen einfach verunsichert oder besorgt ist, wird die Hausarztpraxis als Ansprechpartner zukünftig noch bewusster wahrgenommen werden.  

Stärker in den Fokus der Bevölkerung sind zudem die Berufsfelder der Pflege gerückt: Im ambulanten Bereich der Sozialstationen, in Altenheimen und Krankenhäusern. Es tritt in der Krise glasklar zutage, unter welch mauen Bedingungen (Bezahlung, Ausstattung mit Schutzmaterial, Arbeitszeiten) hier die meisten mit höchstem Engagement ihren Dienst tun.

Ob aus dieser Fokussierung zukünftig für die Beschäftigen mehr herauskommt als empathisches abendliches Beifallklatschen auf Balkonen, also ob sich an Bezahlung und den Arbeitsbedingungen irgendetwas ändern wird, wage ich noch zu bezweifeln. In der im Sommer einsetzenden wirtschaftlichen Rezession wird das Geld leider eher in andere Richtungen fließen. Dabei ist doch klar geworden, welch hoher Bedarf an qualifizierten Pflegekräften besteht. Ich hoffe daher, die Öffentlichkeit wird auch weiterhin ein wachsames Auge auf die zukünftigen Entwicklungen in der Pflege haben.

IInsgesamt können wir, glaube ich, aber stolz darauf sein, wie konzentriert und mit vergleichsweise niedrigerer Sterblichkeit wir in Deutschland dabei sind, die Coronavirus-Krise zu meistern. Auch die Krankenhäuser haben sich in perfekter Weise so vorbereitet, dass eine Überlastung bisher ausgeblieben ist.

Meiner Meinung nach besteht angesichts dieses guten Outcomes nach Ende der Krise gar nicht die Notwendigkeit, das Gesundheitswesen neu zu erfinden: Wir haben gelernt, wo es besonders hakt und sollten in den angesprochenen Bereichen (Stellung und Wertschätzung des Hausarztes, Vergütung und Arbeitsbedingungen der Pflege, Personalschlüssel in den Kliniken) nachschärfen, dann sind wir auch bei der Rückkehr zur Normalität gut aufgestellt.

Was können Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Patienten aus der Corona-Pandemie lernen? | Dr. Ingo Hrastnig

Dr. Ingo Hrastnig ist hausärztlicher Internist in Stuttgart und seit 2002 niedergelassen. Seiner Meinung nach hat die Coronavirus-Krise allen Patientinnen und Patienten gezeigt: Deutschland kann sich auf seine Hausärzte verlassen!

Was können Hausärztinnen und Hausärzte auf der einen Seite und Patienten auf der anderen Seite aus der Corona-Pandemie lernen?
Ingo Hrastnig: Hausärztinnen und Hausärzte können mit einem gestärktem Selbstwertgefühl und breiter Brust aus der Krise gehen. Unter schwierigen Bedingungen (bis zuletzt oft ohne adäquate Schutzausrüstung) haben wir es geschafft, unsere Patientinnen und Patienten, uns selbst und unsere Familien sowie unsere Angestellten kompetent und sicher durch die Krise zu lotsen.

Zusätzlich zum hausärztlichen Tagesgeschäft haben wir auf dem Höhepunkt von SARS-CoV2 und der Grippewelle eine Vielzahl von Atemwegserkrankten differential-diagnostisch richtig und sicher behandelt. Wir mussten und müssen rasch die richtigen, leitlinien-konformen Antworten auf die vielen Patientenfragen finden. Durch die engmaschige Anbindung an die Praxis gilt es zudem, bei Atemwegserkrankten keinen ernsthaften Krankheitsverlauf zu verpassen. Häusliche Absonderungen zu organisieren und die Patienten auf die richtigen Pfade im Gesundheitswesen zu lotsen, erfordert einen hohen zeitlichen und logistischen Aufwand. Auch die betagten, mehrfacherkrankten Risikopatienten ohne Atemwegsproblematik müssen ja „nebenbei“ sicher weiterbetreut werden, ohne sie zu gefährden. Oft ein Spagat, der da zu vollziehen ist. Einige Mitglieder des Hausärzteverbands Baden-Württemberg haben sich darüber hinaus stark bei der Organisation und dem Betrieb von regionalen Fieberambulanzen engagiert.

Zusammengefasst kann man also festhalten: Ein wesentlicher Faktor dafür, dass es in Deutschland bisher nicht zu einer Überlastung der Kliniken durch COVID-19-Patienten gekommen ist, ist dem starken ambulanten Sektor zuzuschreiben, der die Patienten adäquat durch das Gesundheitswesen lotst. Dieser ambulante Sektor wird ganz wesentlich getragen vom kompetenten Engagement der Hausärztinnen und Hausärzte.  

Patienten und Patientinnen können daher folgendes aus der Krise lernen: Deutschland kann sich auf seine Hausärzte verlassen!   

Welche positiven Entwicklungen hat die Corona-Krise angestoßen? | Dr. Ingo Hrastnig

Hausarzt Dr. Ingo Hrastnig ist Delegierter im Hausärzteverband Baden-Württemberg für den Bezirk Nord-Württemberg. Er ist sich sicher: Die Corona-Pandemie hat uns alle zum Nachdenken und Experimentieren angeregt. 

Welche positiven Entwicklungen hat die Corona-Krise in unserem Gesundheitssystem, aber auch in unserer Gesellschaft angestoßen?
Ingo Hrastnig: Ich glaube, es ist allen klar geworden, dass wir dringend die Abhängigkeiten, die durch eine Globalisierung der Handelsketten auch im Gesundheitswesen entstanden sind, in manchen Bereichen revidieren müssen. Es kann nicht sein, dass FFP2-Schutzmasken (und anderes Schutzmaterial) auch fünf Wochen nach Beginn der Coronavirus-Krise weiterhin nicht in der erforderlichen Menge zur Verfügung steht. Man male sich nur aus, wie ungleich fataler dieser Mangel noch wäre, hätten wir es beispielsweise mit dem Ebola-Virus zu tun. Eine Industrienation muss hier besser aufgestellt sein und relevante Reserven und Produktionskapazitäten bereithalten, um sich notfalls autark versorgen zu können.

Dasselbe gilt für die anhaltenden evidenten Knappheiten relevanter Arzneimittel in Deutschland: Man will sich nicht vorstellen, was es für die Verfügbarkeit relevanter Wirkstoffe bedeuten könnte, sollten in Indien im Rahmen der SARS-CoV2-Pandemie einzelne Arzneimittelwerke dauerhaft ausfallen. Für relevante Wirkstoffe müssen in Deutschland Lager- und Produktionskapazitäten zur Verfügung stehen, auch wenn der Arzneimittelpreis dadurch ansteigen sollte, das hat man zur Kenntnis genommen.

Die Krise hat die Gesamt-Gesellschaft massiv gebremst, ruhiger gemacht, zum Nachdenken und Experimentieren gezwungen. Digitale Kommunikationsformen werden sie zukünftig, im Shutdown eingeübt, noch stärker prägen als bisher. Wie sagt es unser  Bundespräsident: „Die Welt nach dem Coronavirus-Shutdown wird eine andere sein.“ Wie sie wird, liegt an uns.

Es ist meiner Ansicht nach völlig offen, ob sich das zarte Pflänzchen der gesellschaftlichen Solidarität, der Zuwendung zum Nachbarn und der kommunikativen Kreativität langfristig wird durchsetzen können. Oder ob nicht doch die hamsternde Ellenbogen-Mentalität und das Abstandhalten die Oberhand gewinnt? Erinnern wir uns auch nach der Krise noch, was wir in ihr als unverzichtbare Arbeit empfunden haben und wer den Laden am Laufen gehalten hat? Und dass uns diese Berufe eigentlich mehr wert sein wollten?

Welche Chancen sind aus der Coronavirus-Krise entstanden, die wir als Berufsverband nutzen müssen? | Dr. Ingo Hrastnig

Dr. Ingo Hrastnig aus Stuttgart engagiert sich seit vielen Jahren im Hausärzteverband Baden-Württemberg. Die Corona-Krise ist aus seiner Sicht eine Chance, die Schlüsselposition der Hausärztinnen und Hausärzte berufspolitisch weiter zu stärken.

Welche Chancen sind aus der Coronavirus-Krise entstanden, die wir als Berufsverband nutzen müssen?
Ingo Hrastnig: Es ist während der „Coronavirus-Krise“ klar geworden, was jeder Patient in einer gesundheitlichen Ausnahmesituation (und nicht nur da) zu allererst braucht: Eine Anlaufstelle für seine Gesundheitssorgen und Krankheitssymptome. Den Hausarzt oder die Hausärztin!  

Diese sind in der akuten Krise wichtiger als der organspezialisierte Facharzt oder staatliche Strukturen (z. B. Gesundheitsämter), die mit der massenhaften Befassung von gesundheitsbesorgten Menschen überfordert sind.

Wir als lokal verfügbare Hausärztinnen und Hausärzte haben in der Krise die Schlüsselposition, sind die Lotsen: Ansprechpartner, Koordinatoren und Therapeuten! Hausärzte steuern die Inanspruchnahme anderer Gesundheitsebenen (Fieberambulanzen, Schwerpunktpraxen, Gesundheitsämter, Krankenhaus). Wir müssen diesen gesamtgesellschaftlichen Fokus auf uns nun nutzen, um viel stärker zu verdeutlichen, wie unverzichtbar wir als Hausärzte im Gesundheitssystem sind. Als primäre Ansprechpartner für alle Gesundheitsthemen, als „Fachärzte für den mehrfach Erkrankten“, die über Organgrenzen hinweg behandeln und das medizinische Ganze, den ganzen Menschen im Blick haben.

Wir müssen weiter hinwirken auf die Umsetzung eines adäquat vergüteten Primärarztsystems nach dem Vorbild der Hausarztzentrierten Versorgung in Baden-Württemberg.

Dennoch wird es so sein: Die Corona-Krise wird leider viele Verlierer in der Gesamt-Gesellschaft haben! Es wird viele geben, die sich intensiv um Patienten und Kranke gekümmert haben. Gewinner der Krise werden durch die Masse an durchgeführten SARS-COV2-Tests vermutlich nur die Labormediziner sein.

Werden wir nach der Coronavirus-Krise wieder zur Normalität zurückkehren können? | Dr. Rita Bangert-Semb

Die Corona-Pandemie hat uns in den letzten Wochen in Atem gehalten. Dr. Rita Bangert-Semb ist Delegierte im Hausärzteverband Baden-Württemberg und Hausärztin in Wiesloch. Sie ist sich sicher: Unsere Welt wird auch nach der Krise eine andere sein!

Werden wir nach der Coronavirus-Krise wieder zur Normalität zurückkehren können?
Rita Bangert-Semb: Die Corona-Krise ist eine disruptive Krise, ganz ähnlich wie es auch die Pest-Epidemie Mitte des 14. Jahrhunderts gewesen ist. Eine solche Krise ist immer der Beginn von etwas ganz Neuem. Die Pest war der Startschuss für die Renaissance, die Neuzeit und die Aufklärung. Die Corona-Krise ist für uns Ärzte der Startschuss in eine echte Digitalisierung. Digitalisierung bedeutet nämlich nicht, eine E-Mail zu schreiben, statt zu telefonieren. Digitalisierung bedeutet Verfügbarkeit von Wissen. Digitalisierung bedeutet, zu jedem Zeitpunkt Zugang zu Ressourcen und Service zu haben. 

In der ersten Zeit nach der Krise wird es sich für uns vielleicht so anfühlen, als wäre alles wie vorher. Aber es geht nicht mehr weiter wie vorher, auch wenn wir es uns wünschen. Wir haben neue Erfahrungen gemacht. Wir haben Homeschooling erlebt und Lehrer in neuen Rollen. Patienten haben die Erfahrung gemacht, dass sie Probleme nicht nur zu unseren Sprechzeiten aussprechen wollen, sondern rund um die Uhr. Sie erwarten nicht, dass wir sofort antworten, aber sie wollen ihr Problem auch nachts positionieren und benennen können.

 Was können wir aus der Corona-Pandemie lernen? | Dr. Rita Bangert-Semb

Dr. Rita Bangert-Semb ist Hausärztin im Hausarzt-Zentrum Wiesloch. Aus eigener Erfahrung weiß sie: Die Rolle von Hausärztinnen und Hausärzten verändert sich durch die Digitalisierung immens.

Was können wir aus der Corona-Pandemie lernen?
Rita Bangert-Semb: Wir Ärzte müssen nicht nur lernen, die digitalen Möglichkeiten besser zu nutzen, wir müssen auch unsere Position in diesem System hinterfragen und unseren Platz in der Gesellschaft neu definieren. Unsere Rolle verändert sich. Wir sind keine Elite mehr, wenn medizinisches Wissen jedem zur Verfügung steht. 

Patienten verlangen von mir heute nicht mehr, dass ich zu jeder Erkrankung alles weiß. Unser Beruf wird in Zukunft ein moderierender Beruf sein, sehr gut zu vergleichen mit dem des Lehrers. Der Lehrer ist für seine Schüler ein ganz wichtiger Kontaktpunkt. In der Corona-Krise lernt der Schüler über viele seiner Lehrer, dass sie nicht mit den digitalen Möglichkeiten zurechtkommen. Die Achtung vor der Rolle geht dadurch verloren. Wenn unsere Patienten erleben, dass wir Ärzte moderne Kommunikationsformen wählen, dass wir dialogisch mit ihnen sind, dann werden Sie uns auch in Zukunft achten. Wir müssen unsere jungen Ärztinnen und Ärzte gleich in diese veränderte Rolle mitnehmen, damit sie von Anfang an ein neues Selbstbewusstsein in ihrem Job entwickeln können.

Welche Entwicklungen hat die Corona-Krise in unserem Gesundheitssystem angestoßen? | Dr. Rita Bangert-Semb

Die Hausarztzentrierte Versorgung ist in Baden-Württemberg seit mehr als zehn Jahren ein fester Bestandtteil. Als Delegierte im Hausärzteverband Baden-Württemberg plädiert Hausärztin Dr. Rita Bangert-Semb dafür, das Innovationspotential der HZV noch stärker auszuschöpfen.

Welche Entwicklungen hat die Corona-Krise in unserem Gesundheitssystem angestoßen?
Rita Bangert-Semb: Ich bin eine Verfechterin der Hausarztzentrierten Versorgung, aber die Corona-Krise hat uns vor Augen geführt, dass wir in Fragen der Digitalisierung deutlich innovativer und inspirierter vorgehen müssen. 

Der große Gamechanger wird zum Beispiel das E-Rezept sein. Davon werden nicht nur die Versandapotheken profitieren. Das E-Rezept wird auch die Vergütungsdynamik ändern, weil es die Quartalsabhängigkeit in Frage stellt. Der nächste Schritt werden kostenlose Onlinediagnosen sein. Krankenkassen bieten diese Diagnosen zum Teil schon an. 

Unternehmen wie „Zoom“, die wir vor der Krise noch gar nicht kannten, haben in den letzten Wochen enorm profitiert und Corona erfolgreich für sich genutzt. Unternehmen, die Daten intelligent, gut und preiswert verknüpfen, werden in Zukunft in unserem Bereich große Bedeutung haben. Ein Algorithmus denkt sauberer als ein Mensch, er hinterfragt alles. Er ist keiner Intuition ausgeliefert. Alles das sind keine unwahrscheinlichen Überlegungen. So wie Amazon seine Kunde kennt, haben wir Ärzte unsere Patienten zu kennen, aber wir tun es nicht. Wir müssen dringend schauen, wie wir sehr schnell besser werden, sonst werden wir von anderen Playern in unserem eigenen Markt abgehängt.

Welche Chancen sind aus der Coronavirus-Krise entstanden, die wir als Berufsverband nutzen müssen? | Dr. Rita Bangert-Semb

Hausärztin Dr. Rita Bangert-Semb findet: Als Berufsverband ist uns durch die Corona-Krise eine neue Chance entstanden,  die moderne hausärztliche Versorgung nachhaltig zu prägen und zu gestalten.

Welche Chancen sind aus der Coronavirus-Krise entstanden, die wir als Berufsverband nutzen müssen?
Rita Bangert-Semb: Wir als Berufsverband haben jetzt die große Chance der modernen hausärztlichen Versorgung unseren Stempel aufzudrücken. Die Corona-Krise hat uns damit konfrontiert, dass wir in manchen Bereichen einfach nicht weit fortgeschritten sind. Es deutet alles in eine Richtung und diese Richtung heißt Veränderung. Aber wir müssen schnell sein und es wirklich wollen.  Wir brauchen eine starke Vision und den nötigen Gestaltungswillen. Wir müssen wissen, wohin wir gehen. Unsere Vision als Berufsverband muss lauten: Ohne den Hausarzt geht nichts! Und das mit dem Ziel, die Versorgung für unsere Patienten so gut wie möglich zu gestalten. 

Wir können an einer Stelle mit einem kleinen Projekt anfangen und eine erlebbare, signifikante Verbesserung für Patienten schaffen, die sich für die Hausarztzentrierte Versorgung entscheiden. Zum Beispiel eine Onlinesprechstunde von 19:00 bis 23:00 Uhr. Wir brauchen dazu nur Tools, die es uns ermöglichen, mit anderen Ärzten Informationen zu teilen. Um einen Patienten gut zu behandeln, brauche ich nur seinen Medikamentenplan und seine Abrechnungsdiagnosen. Zur Triagierung können wir Algorithmen einsetzen, die uns fundiert, automatisiert, kostengünstig und für den Patienten verständlich in allen Sprachen unterstützen. Wir müssen selbstverständlich nicht gleich flächendeckend arbeiten, wir können mit Leuchtturm-Projekten in großen Praxiseinheiten beginnen. In der HZV sind große Organisationsformen im Moment aber nicht gut abgebildet, obwohl die Realität deutlich zeigt, dass Versorgung in Zukunft zentralisiert sein wird.

 Der Erfolg hat wieder einmal viele Väter! Ein offener Brief an KBV-Chef Dr. Andreas Gassen | Dr. Afsaneh Siebenborn

Dr. Afsaneh Siebenborn ist niedergelassene Hausärztin in Heilbronn und Delegierte im Hausärzteverband Baden-Württemberg. Für sie ist klar, dass nur durch den Einsatz der Hausärzte die Coronavirus-Pandemie in Deutschland eingedämmt werden konnte. In einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Dr. Andreas Gassen fordert sie, dass diese Leistung anerkannt und gewürdigt wird.

 

Heilbronn 05.06.20

Sehr geehrter Herr Gassen,

Sie haben bei KBV2GO über das positive Zwischenfazit zur Bewältigung der Corona-Pandemie am 03.06.2020 gesprochen. Sie sprachen darüber, dass die ambulante Versorgung wie eine Schutzmauer die Krankenhäuser vor Überflutung durch die Corona-Patienten bewahrt hat, und uns deshalb die Zustände wie in Italien erspart geblieben sind.

Sie sagten dies alles völlig zu Recht!

Aber warum sagen Sie nicht, dass es die Hausärzte*Innen waren, die diese Schutzmauer gebildet haben?

Warum sagen Sie nicht, dass es die Hausärzte*Innen waren, die als Fundament der ambulanten Versorgung an vordersten Front gekämpft haben, obwohl diesen selbst nicht ausreichend Schutzkleidung zur Verfügung stand?

Ich habe das große Bedürfnis Ihnen diese Zeilen zu schreiben, nachdem ich Ihren Artikel „Das Gesundheitswesen hat funktioniert“ vom 03 Juni gelesen habe.

Ich bin Internistin und Notfallmedizinerin und arbeite seit über 15 Jahren als Hausärztin in Heilbronn.

Als die Pandemie losging haben wir, mein Team in der Praxis und ich, den gesamten Ablauf in der Praxis umgestellt und der Situation angepasst, noch bevor irgendwelche offizielle Empfehlungen von Verbänden oder Gesundheitsämtern veröffentlicht wurden.

Wir haben unsere chronisch kranken Patienten versorgt, in der Praxis Abstriche genommen, die ambulanten Corona-Patienten betreut, später mit anderen Hausärzten*innen die Abstriche in der Fieberambulanz übernommen. Ich habe mich als Reservistin im Krankenhaus registrieren lassen, damit wir, falls die Zustände sich verschlechtern, die Kollegen auf den Stationen unterstützen können.

Ich bin glücklich und stolz, dass wir in Deutschland mit den richtigen Maßnahmen die Pandemie so gut eingedämmt haben, auch wenn wir weiter aufmerksam bleiben müssen falls eine zweite Welle kommen sollte.

Nun, wenn ich Ihre Zwischenbilanz lese, fühle ich mich als Hausärztin nicht angemessen wahrgenommen.

Sie schreiben, dass 6 von 7 Corona-Patienten ambulant versorgt wurden. Nun frage ich Sie Herr Gassen, wer hat diese Patienten wohl versorgt?

Nicht das Gesundheitswesen allgemein, wie Sie es nennen, sondern die Hausärzte*Innen in Deutschland haben diese Patienten versorgt!

Wieso erwähnen Sie nicht ein einziges Mal, dass hauptsächlich die Hausärzte*Innen diese ambulante Versorgung sichergestellt haben?

Während die fachärztlichen Kollegen alle Untersuchungen absagen mussten und teilweise ihr Praxen geschlossen haben, hielten die Hausärzte*innen die Stellung und dienten als Schutzwall vor den Krankenhäusern.

Wir hatten nur wenige Masken/Schutzausrüstung zur Verfügung. Wir haben unsere einzige FFP2-Maske wie ein Schatz behandelt und wochenlang getragen.

Die Praxis zu schließen und die Patienten unversorgt zu lassen, war trotzdem zum keinen Zeitpunkt eine Option.

Ich wünsche mir, dass unsere Arbeit die Würdigung erfährt die sie verdient.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Afsaneh Siebenborn
Hausärztin in Heilbronn

Fragen und Antworten rund um das Coronavirus

Wissenswertes

Wie viele Menschen sind im Moment infiziert?

Weltweit haben sich tausende Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das genaue Ausmaß der weltweiten Virusinfektion hat das amerikanische Center for Systems Science and Engineering (CSSE) an der John Hopkins University in Baltimore in einer interaktiven Karte visualisiert. Die Zahl der Infizierten wird ständig aktualisiert.

Den Stand der Infektionen in Deutschland hat das Robert-Koch-Institut (RKI) in einer interaktiven Karte dargestellt, mit den Zahlen auf Bundes- und Landesebene.

Zur Lage in Baden-Württemberg veröffentlicht das  Ministerium für Soziales und Integration regelmäßig neue Informationen zu aktuellen Fällen und Maßnahmen gegen eine weitere Verbreitung des Coronavirus im Land. Auf baden-württemberg.de finden Sie außerdem eine Übersichtskarte.

Wie halte ich mich über Neuigkeiten zu SARS-CoV-2 und Covid-19 auf dem Laufenden?

Besonders ans Herz legen wir Ihnen den Newsletter MMK-Benefits von Prof. Dr. Michael Kochen, mit aktuellen Informationen run um COVID-19. Als Mitglied im Hausärzteverband Baden-Württemberg haben Sie die Möglichkeit, die MMK-Benefits kostenfrei zu abonnieren. Kontaktieren Sie uns gerne unter info@hausarzt-bw.de, wenn Sie die MMK-Benefits künftig erhalten möchten. 

Die DEGAM  eine S1-Leitlinie „Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis“ veröffentlicht (AWMF-Nummer 053-054). Die Leitlinie wird regelmäßig angepasst und aktualisiert. Alle Dokumente sowie eine Anleitung zur Probenentnahme für Patienten stehen unter awmf.org zum Download.  

Das Robert Koch Institut (RKI) ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention. Auf rki.de stellt das Robert Koch Institut viele aktuelle Informationen zu Fallzahlen, Risikobewertungen, Meldepflichten, Verdachtsabklärung und Maßnahmen für die Hausarztpraxis zur Verfügung.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KBVW) stellt Hausärztinnen und Hausärzten in Baden-Württemberg auf kvbawue.de aktuelle Informationen zu Hygiene und Schutzausrüstung oder der Abrechnung rund um den Coronavirus bereit.

Auf aerztekammer-bw.de informiert die Landesärztekammer Baden-Württemberg über das Thema Berufshaftpflichversicherung oder andere arbeitsrechtliche Problemstellungen.

Bei Fragen rund um das Coronavirus erreichen Sie das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg unter 0711 - 904-39555 (Montag bis Sonntag, zwischen 9 und 18 Uhr).

Der G-BA hat im Zusammenhang mit der Pandemie mit SARS-​CoV-2 zeitlich befristete Sonderregelungen in Bezug auf seine regulären Richtlinienbestimmungen getroffen. Auf einer Übersichtseite sind alle Bestandteiler dieser Sonerderregelungen aufgezeigt. 

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat seine "Notfall-Informations- und Nachrichten-App" (kurz NINA) ausgebaut und mit Informationen rund um das Thema Corona ergänzt.

Welche Abweichungen von der Approbationsordnung gibt es während der Coronavirus-Pandemie?

Das Bundesgesundheitsministerium hat eine „Verordnung zur Abweichung von der Approbationsordnung für Ärzte bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ gezeichnet. Die Inhalte dieser Verordnung sind auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums einsehbar. 

Welche internationalen Quellen und Untersuchungen gibt es zu COVID-19?

Dr. med. Kemal Akdenizli hat folgende Leitlinien und Artikel aufgegriffen, die in Großbritannien bisher kommuniziert wurden:

Coronavirus disease 2019 (covid-19): a guide for UK GPs

BMJ Best Practice Coronavirus disease 2019 (COVID-19)

Rapidly managing pneumonia in older people during a pandemic

Laut Dr. Akdenizli werden demnach die Patienten in Risikogruppen eingeteilt und der Curb-Score wird genutzt. Es wird betont wie wichtig der schnelle Start von Antibiotika ist und geraten, dass Pflegeheime Antibiotika vorhalten, damit es zu keiner Verzögerung durch Lieferschwierigkeiten in der Pandemie kommt.

Zur Diagnose über Video und Telefon besagt das Review des Oxford Centre for Evidence-Based Medicine laut Dr. Akdenizli, dass es keine evidenzbasierten validierten Tests gibt, das Review liefert aber hilfreiche Tipps zur Umsetzung. 

In der Simulation: Wie verbreitet sich eine Infektion und wie kommt es zu einer zweiten Welle? | Dr. Manfred Eissler

Dr. Manfred Eissler, Diplom-Physiker, Hausarzt und Vorstandsmitglied im Hausärzteverband Baden-Württemberg, visualisiert in einer Simulation, wie sich eine Infektion ausbreiten kann und wie die Mobilität sich auf eine zweite Welle auswirkt. In einem zweiten Video zeigt er außerdem den Effekt einer Impfung auf das Infektionsgeschehen.

Video 1: The Second Wave - die zweite Welle: Simulation der Ausbreitung einer Corona-Virus-Infektion

Video 2: Simulation einer Infektion - Impfung - Reproduktionsrate - Kontagiosität. Agent-based Model

 

Aktueller Wissensstand zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Wie wird das Coronavirus übertragen?
  • Tröpfcheninfektion und Aerosole aus der Luft
  • Kontaktübertragung ist nicht sicher auszuschließen
Wie verläuft die Erkrankung an Covid-19? 
  • Unspezifisch, vielfältig und stark variierend
  • Symptomlos bis zu schweren Verläufen mit Lungenversagen und Tod

Die Hauptsymptome:

  • Fieber (41%), Husten (49%), Schnupfen (21%)
  • Störung des Geschmacks/Geruchssinn (15%)
Gibt es eine Immunität gegen SARS-CoV-2?
  • Nach Infektion mit SARS-CoV-2 Bildung von spezifischen Antikörpern
  • Beginn der Serokonversionin der zweiten Woche nach Beginn der Symptome
  • Neutralisierende Antikörper am Ende der zweiten Woche
  • Unklar:
    • Aufbau des Immunstatus in Bezug auf Dauer und Regelhaftigkeit
    • Erfahrungen mit anderen Corona-Virusinfektionen deuten auf eine etwa drei Jahre anhaltende Immunität hin
Was sind die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19 Verlauf?
  • Adipositas
  • Vorerkrankungen wie KHK, Hypertonie, COPD, Diab.mell. Tumorerkrankungen, Immunschwäche, Lebererkrankungen
Wie lange beträgt die Inkubationszeit?
  • Von Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung: 5-6 Tage (1-14 Tage)
  • Infektiosität: Zwei Tage vor Beginn der Symptomatik bis 4-9 Tage danach
Wie hoch ist die Viruslast bei und die Übertragung durch asymptomatische/präsymptomatische Infizierte?
  • Höchste Infektiosität ein Tag vor Beginn der Symptome
  • Kinder und Schwangere haben häufig einen symptomlosen Verlauf
Wie lang dauert die Inaktivierung des Virus auf unbelebten Oberflächen?
  • Abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit
  • Inaktivierung durch Sonnenlicht:
    • Karton: 24 Stunden
    • Edelstahl: 48 Stunden
    • Kunststoff: bis zu 72 Stunden
Wer gehört zur Risikogruppe?
  • Menschen, die älter sind als 60 Jahre
  • Chronisch Kranke
Wie wirksam sind die nicht-pharmazeutische Interventionen zur Eindämmung von COVID-19?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in Fachzeitschriften veröffentlichte Studien zur Wirksamkeit von nicht-pharmazeutischen Interventionen zur Eindämmung der Corona-Pandemie systematisch ausgewertet. Davon konnten 27 identifiziert werden, die eine relevante Evidenz präsentieren können. Trotz methodischer Beschränkungen vieler Studien zeigt sich, dass die Beschränkung von Versammlungen, die Schließung von Arbeitsplätzen, die Schließung von Schulen und das Tragen von Masken im Hinblick auf die betrachteten relativen Ergebnisse bei der Kontrolle der Epidemie wirksam sind. Alle Informationen finden Sie auf der Seite der Robert-Koch-Instituts

Regelungen zu Corona in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV)

 Wie wirken sich telefonisch erbrachte Behandlungsleistungen auf die Abrechnung der Grundpauschale „0000“ aus?

Bei einem telefonischen Beratungsgespräch zwischen Arzt und Patient kann die Ziffer „0000“ über die HZV abgerechnet werden, wenn ein Behandlungsanlass zwischen Arzt und Patient vorliegt, z.B. aufgrund einer AU-Ausstellung. Der Kontakt zur Behandlung/Beratung zwischen Arzt und Patient kann dabei – persönlich, telefonisch oder per Video/Telemedizin erfolgen.

Wie ist ein HZV-Patient, der ein Corona-(Verdachts-)Fall ist, abzurechnen?

Grundsätzlich gelten für die ärztlichen Leistungen in der HZV keine Besonderheiten für bestimmte Erkrankungen, wie zum Beispiel das neuartige Coronavirus. Daher sind nach wie vor sämtliche Leistungen, die Bestandteil des HZV-Ziffernkranz sind, auch in diesen Fällen im Rahmen der HZV über das Rechenzentrum der Hausärzteverbände abzurechnen (i.d.R. insbesondere Abrechnung des APKs „0000“).

Für jeden symptomatischen HZV-Patienten kann ab sofort die Gebührenordnungsposition (GOP) 02402 in Höhe von 8,02 Euro pro Abstrichentnahme gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) abgerechnet werden. Der Zuschlag GOP 02403 kann bei einem HZV-Patienten nicht über die KVBW (und nicht über die HZV) abgerechnet werden. Ansonsten ist davon auszugehen, dass das zuvor über die KVBW ausgeschüttete Honorar über die Doppelabrechnungsprüfung von den Krankenkassen zurückgefordert wird.

Fälle, bei denen ein klinischer Verdacht vorliegt oder eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, sind mit der Ziffer 88240 auf dem KV-Abrechnungsschein zu kennzeichnen. Für HZV-Patienten gilt dies nur, wenn Leistungen abgerechnet werden, die nicht im HZV-Ziffernkranz enthalten sind und dementsprechend über die KV vergütet werden. Veranlasst der Hausarzt einen COVID-19-Labortest, ist auf dem KV-Abrechnungsschein zusätzlich die Ausnahmekennziffer 32006 einzutragen, um ggf. die Erreichung eines Wirtschaftlichkeitsbonus Labor im Kollektivsystem in diesen Behandlungsfällen nicht zu gefährden.

Für Corona-Schwerpunktpraxen gelten darüber hinaus weitere Vergütungsansprüche, so gelten folgende Vereinbarungen:

Zuschlag auf die

AOK

LKK

IKK
classic

BKK VAG Bosch BKK

BKK
GWQ

Ersatz-
kassen

Knapp-
schaft

Techniker Krankenkasse

kontaktabhängige Pauschale P2 (eigene HZV-Patienten)

-

15 €

7 €

7 €

8 €

10 €

15 €

10 €

Vertreterpauschale (fremdeingeschriebene HZV-Patienten)

20 €

35 €

7 €

30 €

30 €

32,50 €

37,50 €

30 €

Gültig bis

Q4/20

Q1/21

Q4/20

Q4/20

Q1/21

Q4/20

Q1/21

Q1/21

Zuschlagsrelevante Diagnosen

U99.0G
U07.1G
U07.2G

U99.0G
U07.1G
U07.2G

U99.0G
U07.1G
U07.2G

U99.0G
U07.1G
U07.2G

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U07.2G

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U07.1G
U07.2G

U99.0G
U07.1G
U07.2G

U99.0G
U07.1G
U07.2G


Für die Auslösung des automatischen Zuschlags ist es notwendig uns darüber zu informieren, dass Ihre Praxis eine Corona-Schwerpunktpraxis im Sinne der KV BW Regelung ist. Dafür können sie unser Meldeformular Corona-Schwerpunktpraxis nutzen.

Können zusätzlich zur 0000 bei einem telefonischen/telemedizinischen Kontakt weitere Pauschalen abgerechnet werden?

Für die HVZ-Verträge mit der AOK BW können zusätzlich Behandlungspauschalen P4, P5, P6, P7 sowie die Vertreterpauschale abgerechnet werden, auch wenn der Arzt-Patienten-Kontakt ausschließlich per Video oder Telefon erfolgt. Zudem können die die Fallkonferenz Rücken wie PraCMan als Fernbehandlung erbracht und abgerechnet werden.

Für die weiteren HZV-Verträge, in denen die im Abschnitt "Wie wirken sich telefonisch erbrachte Behandlungsleistungen auf die Abrechnung der Grundpauschale „0000“ aus?" beschriebene Regelung gilt, ist auch die Abrechnung der 0003 möglich, sofern der erforderliche Leistungsinhalt gemäß der entsprechenden Vergütungsanlage des jeweiligen HZV-Vertrages auch über den telefonischen / telemedizinischen Kontakt durch den Hausarzt erbracht wurde.

Wie kann die Videosprechstunde für HZV-Patienten abgerechnet werden?

Grundsätzlich können alle GOP, die nicht Bestandteil der Ziffernkränze der einzelnen HZV-Verträge sind, über die KV abgerechnet werden. Da die GOP zur Videosprechstunde jedoch Zuschläge auf die im Ziffernkranz versenkten Versichertenpauschalen sind, wird die KV diese i.d.R. nicht vergüten. Wie unter der Frage: "Wie wirken sich telefonisch erbrachte Behandlungsleistungen auf die Abrechnung der Grundpauschale „0000“ aus?" beschrieben, kann bei einem (video-)telefonischen APK jedoch i.d.R. „0000“ abgerechnet werden.

Wie können die Portokosten abgerechnet werden?

Die EBM-GOP 40122 ist grundsätzlich Bestandteil der HZV-Verträge und mit der Abrechnung der Grund- oder Vertreterpauschale abgegolten. Sie ist daher nicht über die KV BW abrechenbar.

Welche Auswirkungen hat das Corona-Virus auf meine Qualifikationen, die ich während der Vertragsteilnahme erfüllen muss?

Für das zweite Quartal 2020 entfallen die vertraglichen Verpflichtungen je vollendetem Quartal einen Qualitätszirkel zur Arzneimitteltherapie zu besuchen.

Wie wirkt sich eine Umstellung auf einen „Notbetrieb“ in der Praxis auf meine HZV-Vergütungsansprüche aus?

Es kann in den unterschiedlichen Regionen durch die örtlichen Behörden in Zusammenarbeit mit den Ärztekammern und den Kassenärztlichen Vereinigungen zu Maßnahmen kommen, die es erforderlich machen in den Hausarztpraxen nur noch Akutfälle zu behandeln und sämtliche Untersuchungen, die keine akute Dringlichkeit erfordern auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Wir alle kennen diesen Zeitraum nicht.

In der HZV gilt grundsätzlich, dass die Abschlagzahlungen nicht leistungsbezogen erfolgt, sondern sich an der Anzahl der eingeschriebenen Versicherten orientiert. Das bedeutet, dass die Abschlagszahlungen zunächst weiterlaufen werden und die Grundliquidität erhalten bleibt. Der Sicherstellungsauftrag in der ambulanten hausärztlichen Versorgung liegt bei den HZV-Verträgen gemäß § 73b SGB V bei den Krankenkassen und wird von diesen auch erfüllt werden (müssen). Gerade jetzt sind die Hausarztpraxen für die Krankenkassen und KVen zur Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung im ambulanten Bereich besonders wichtig. Dies wird allseits nicht in Frage gestellt.

Ob es durch die Verschiebung von Behandlungsanlässen durch das überwiegend pauschale Vergütungssystem in der HZV zu Vergütungsverschiebungen bei den Schlusszahlungen kommen wird, ist nicht abschließend zu beurteilen. Einem nicht vorhersehbaren Anstieg (NVA) in der Morbiditätslast müssen die Leistungsträger auch in der HZV Rechnung tragen, wenn hierdurch in Verträgen, die eine Obergrenze enthalten, Überschreitungen der üblichen Honoraransprüche zu verzeichnen sind. Diese müssten dann ungekürzt zur Abrechnung kommen. 

Erhalten wir auch in der Selektivvertragsversorgung eine Ausgleichszahlung bzw. Härtefallregelung?

In der Regelversorgung gilt zunächst für das Quartal 1/20 die Ihnen bekannte Härtefallregelung der KV BW. Auch gesetzgeberische Maßnahmen sind für die Regelversorgung zwischenzeitlich auf den Weg gebracht worden. Damit wurde die Rechtsgrundlage dafür geschaffen, seitens der KVen zur Sicherstellung der Vertragsärztlichen Versorgung umsatzbezogene Ausgleichzahlungen zu leisten, die von den Krankenkassen zu erstatten sind. Die AOK Baden-Württemberg hat uns äquivalente Regelungen auch für die Haus- und Facharztverträge angeboten. Sollten Sie eine Existenzgefährdung für sich sehen, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an uns.

Wird die Betreuung von COVID-19 Patienten in der HZV durch ein spezielles Modul besonders unterstützt? (Modul CovidCare)

Im HZV-Vertrag mit der AOK Baden-Württemberg wird das neue Modul CovidCare des Universitätsklinikum Heidelberg im CareCockpit zur Verfügung gestellt.

CovidCare unterstützt Sie in der telefonischen Betreuung von erwachsenen Patienten mit gesichert COVID-19 bzw. Patienten ab 50 Jahren mit klinisch dringendem Verdacht auf COVID-19 (z.B. akute respiratorische Symptome jeder Schwere) in der häuslichen Isolation. Zusätzliche Teilnahmevoraussetzung ist ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf (in Anlehnung an das Robert-Koch-Institut). 

Für jeden bei Ihnen eingeschriebenen HZV-Patienten, bei dem die vom RKI festgelegten Kriterien zutreffen und der über CovidCare betreut wird, kann die Ziffer 56019 mit 40 Euro pro Krankheitsfall abgerechnet werden (d.h. es gilt für vier aufeinanderfolgende Quartale, Beispiel: bei der Abrechnung der Ziffer in Q2/20 ist erst wieder die Abrechnung in Q2/21 möglich).

Bei der Ziffer 56019 handelt es sich um eine Blankoziffer, die durch die Hausarztpraxis aktiviert werden muss. Kontaktieren Sie dafür bitte Ihr Softwarehaus.

Was beinhaltet das Modul CovidCare?

Ihre VERAH übernimmt entsprechend ihrer Qualifikation das Case Management. Über das CovidCare Modul können die Behandlungsdaten, Risiken und Symptomverläufe strukturiert erfasst werden. Mit Hilfe von patientenindividuellen Timelines (Symptombeginn, positives Testergebnis, Verlauf) und Grafiken unterstützt Sie das Modul bei der Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustands und beim Erkennen einer Verschlechterung. Das CovidCare Modul ermöglicht das Erstellen patientenindividueller Protokolle für die Selbstüberwachung des Patienten. Eine Terminübersicht erinnert an das Monitoring, wodurch ein systematisches Anrufen Ihrer betroffenen Patienten gefördert wird. Im CovidCare Modul können die Patientenstammdaten automatisch aus den meisten Softwaresystemen ins CareCockpit übernommen werden, so dass kein zusätzlicher Aufwand entsteht.

Wie erhält meine Hausarztpraxis das Modul CovidCare? 

Teilnahmevoraussetzung ist, dass Ihre VERAH eine Onlineschulung von ca. 60 Minuten Dauer absolviert, welche über das Universitätsklinikum Heidelberg unter: www.carecockpit.org abrufbar ist. Am Ende der absolvierten Schulung wird automatisch ein Lizenzschlüssel freigeschaltet und per E-Mail an die Praxis versandt. Die CareCockpit-Software mit dem CovidCare-Modul können Sie dort ebenfalls (ab dem 30.04.20) herunterladen.

An der HZV teilnehmende Hausärzte können sich freiwillig dazu ein Tutorial von ca. 15 - 30 Minuten ansehen.

Welche Patienten können in dem Modul CovidCare eingeschlossen werden?

Einschlusskriterien sind:

1. COVID-19 Patienten ab 18 Jahren (nach Definition Patienten mit Symptomen eines Infekts jeder Schwere und positiver Testung auf SARS-CoV-2), die in der häuslichen Isolierung (Kontaktreduktion im häuslichen Umfeld) sind, mit mindestens einem weiteren Risiko*, die ein in der Frequenz individuell angepasstes Telefonmonitoring durch die Hausarztpraxis rechtfertigen.

oder

2. Patienten ab 50 Jahren mit klinisch dringendem Verdacht auf COVID-19 (z.B. akute respiratorische Symptome jeder Schwere), ohne Nachweis von SARS-COV2, mit mindestens einem weiteren Risiko*, die ein in der Frequenz individuell angepasstes Telefonmonitoring durch die Hausarztpraxis rechtfertigen.

Zur häuslichen Isolierung zählen auch Patientengruppen, denen nach Lockerung der derzeitigen Beschränkungen über den 20.4.2020 behördlicherseits eine weitere Kontaktreduzierung dringend empfohlen wird.

*Zu den oben genannten Risiken zählen in Anlehnung an das RKI:

1.         Diabetes mellitus (Typ II), (Typ I)

2.         Herzkreislauferkrankung

  1. art. Hypertonie,
  2. KHK,
  3. Herzinsuffizienz,
  4. andere Herzkreislauferkrankungen wie z.B.: Vorhofflimmern (jede Form), pAVK oder z. n. Apoplex

3.         Lungenerkrankung (COPD, Asthma bronchiale, andere)

4.         Chronische Nierenerkrankung

5.         Chronische Lebererkrankung z.B. Leberzirrhose

6.         Immunschwäche aufgrund

  1. einer malignen Grunderkrankung, hämatologischen Grunderkrankung (Leukämie/Lymphom) oder anderen aktive Krebserkrankung mit Immunschwäche (ausgenommen z.B. lokal begrenzter Hautkrebs wie Plattenepithelkarzinom oder Basalzellkarzinom)
  2. Z.n. Organ- oder Stammzelltransplantation
  3. Leukozytopenie jeglicher Ursache
  4. Medikamenteneinnahme (z.B. von Glukokortikoide > 7,5 mg Prednisonäquivalent/Tag, Immunsuppressiva, Immunmodulatoren, Zytostatika)

7.         Adipositas (BMI >35)

8.         Aktiver Raucher

Rund um die Arbeit in der Hausarztpraxis

Wie reduziere ich die persönliche Anwesenheit von Patienten in meiner Praxis?

Die KBV und der GKV-Spitzenverband die Begrenzungsregelungen für Videosprechstunden aufgehoben, damit Patienten nur in den dringendsten Fällen die Praxen aufsuchen. Damit sind Fallzahl und Leistungsmenge nicht mehr limitiert.  Sie ist bei allen Indikationen möglich, auch dann, wenn der Patient zuvor noch nicht bei dem Arzt in Behandlung war.  Dokumente zum Download und ein Merkblatt zur Videosprechstunden finden Sie auf der Website der KV BW.

Videosprechstunden sind eine weitere Möglichkeit, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Die KBV hat eine zertifizierte Anbieterliste zusammengestellt.  Die Produkte von einigen Videoanbietern können kostenlos genutzt werden. Viele kostenpflichtige Tools werden aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Moment kostenfrei angeboten. 

Um in der Praxis das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, können Schutzwände aus Glas oder Plexiglas ein möglicher Schutz vor Tröpfcheninfektionen sein. Diese werden aktuell in unterschiedlichen Varianten angeboten.

Ein Sonderregelung zur Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für Patienten mit einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege nach telefonischer Anamnese ist vorerst bis zum 31.12.2020 in Kraft. 

Unsere Hausärzte im Interview:

Dr. Albertus Arends
"Das konterkariert alle unsere Bemühungen"  | 20.04.2020 | Rhein-Neckar-Zeitung

Dr. Frank-Dieter Braun
Den Krankenschein gibt es auch weiterhin per Telefon | 21.04.2020 | Schwäbische Zeitung

Dr. Thomas Heyer
Viel Interesse an Telemedizin, Ärzte bleiben aber skeptisch  | 16.04.2020  | Süddeutsche Zeitung 
SWR3 Morningshow: Dr. Thomas Heyer über die aktuelle Lage in der Hausarztpraxis  | 17.04.2020  | SWR3
Tagesschau: Auswirkungen der Corona-Krise | 18.04.2020  | ARD

 

Wo bekomme ich Informationen für meine Patienten?

„Der Hausarzt”, das offizielle Organ des Deutschen Hausärzteverbandes, hat für Hausärzte aktuelle Praxishilfen und Checklisten zum Download oder Ausdrucken zusammengestellt. Zum Download finden Sie ein Factsheet zu SARS-CoV-2, Patienteninformationen zum Coronavirus allgemein, zum Seniorenschutz, Besuchsregeln für Zuhause und für Pflegeheime und zu fieberhaften Infekten.

Die DEGAM stellt außerdem Patientenflyer und Home-Care Handlungsempfehlung bereit. Der Patientenflyer ist auch auf englisch, griechisch, italienisch, polnisch, russisch, spanisch und türkisch verfügbar. Home-Care Handlungsempfehlung steht ebenfalls auf englisch, persisch und spanisch bereit.

In der S1-Leitlinie „Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis“ (AWMF-Nummer 053-054) der DEGAM steht eine Patientenleitlinie sowie ein eine Anleitung zur selbstständigen Durchführung eines Rachenabstrichs zum Download.

Zu den aktuellen Reiseverordungen hat das Centrum für Reisemedizin alle Informationen zu den Reiseländern in einem Reise-Checker zusammengefasst.

Woher bekomme ich Schutzkleidung und Desinfektionsmittel?

Die Auslieferung von medizinischer Schutzausrüstung, die zentral durch die Bundesregierung beschafft wurde, hat laut KBV am 20. März begonnen. Die Materialien für die ambulante medizinische Versorgung werden von einem privaten Logistikunternehmen direkt an die 17 Kassenärztlichen Vereinigung (KVen) geliefert, die diese dann vor Ort an Praxen verteilen. Weitere Informationen hierzu auf der Website der KBV.

Die KV BW empfiehlt zudem auch weiterhin mit Ihren üblichen Lieferanten in Kontakt zu bleiben, um zu erfahren, wann Schutzkleidung wieder lieferbar ist. Alle aktuellen Informationen und Entwicklungen zum Thema Schutzkleidung finden Sie auf kvbawue.de.

Ein internationales Forschungsteam um Professor Stephanie Pfänder von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat untersuchtt, welche Desinfektionsmittel gegen SARS-CoV-2 wirken. Sie kamen zum Ergebnis, dass beide WHO-Desinfektionsmittel und die in ihnen enthaltenen Alkohole Isopropanol und Ethanol das SARS-CoV-2-Virus ausreichend inaktivieren können. Weitere Informationen zu dieser Studie finden Sie hier

Darf ich eine AU ausstellen, wenn keine akute Erkrankung vorliegt?

Patienten mit Grunderkrankungen fragen in unseren Hausarztpraxen im Moment vermehrt und mit Nachdruck an, ob sie angesichts der aktuellen Entwicklungen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) bekommen können. Abeitsunfähigkeitsbescheinigungen dürfen auch weiterhin nur dann ausgestellt werden, wenn Symptome vorliegen.

Wie erfolgt die Verdachtsabklärung bei einem Patienten?

Das Robert Koch Institut (RKI) hat für die Verdachtsabklärung von COVID-19 eine Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte entwickelt. Das Flussschema gibt nicht nur Auskunft über Erstmaßnahmen für die Hausarztpraxis, sondern auch Folgemaßnahmen und die Weiterversorgung der Patienten.

Was hilft Patienten die Notwendigkeit eines Arztbesuchs besser einschätzen?

Die Software CovApp kann Patienten helfen, die Notwendigkeit eines Arztbesuches oder Coronavirus-Tests besser einzuschätzen. Der Patient beantworte am PC oder Smartphone verschiedene Fragen. Auf den Antworten basieren erhält er am Schluss Handlungsempfehlungen. Die medizinisch relevanten Informationen für ein Arztgespräch werden am Ende für den Patienten zusammengefasst. CovApp wurde von der Charité Berlin in Zusammenarbeit mit Data4life entwickelt.

Wo bekomme ich Praxishilfen zum Coronavirus?

 „Der Hausarzt”, das offizielle Organ des Deutschen Hausärzteverbandes, hat für Hausärzte aktuelle Praxishilfen und Checklisten zum Download oder Ausdrucken zusammengestellt. Für die Praxis stehen Handlungsideen für Pandemie-Situationen, Muster-Formulierungen für PVS und Bescheinigungen, eine Checkliste für den Corona-Verdacht in der Hausarztpraxis, Telefon-Triagen, ein MFA-Fragebogen, Praxisaushänge und ein Rezept für Desinfektionsmittel bereit.

Um Ihre Patienten auf die aktuelle Situation hinzuweisen, laden Sie sich unser Hinweisschild für die Praxistür herunter.

Zum Umgang mit Patienten hat die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin einen Leitfaden für COVID-19 kompatible Kommunikation veröffentlicht, dieser basiert auf der VitalTalk-Open-Source Fibel. 

Die Medizinische Kinderschutzhotline stellt Fachkräften im Gesundheitswesen eine kostenlose Arbeitshilfe zur Verfügung. Diese soll die Beratung von Familien erleichtern, welche durch die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen besonderen Belastungen ausgesetzt sind.

Wie gehe ich mit Schutzausrüstung um?

Hinweise, Empfehlungen und Maßnahmen zum ressourcenschonenden Einsatz von Schutzausrüstung in Zusammenhang mit dem Coronavirus (zum Beispiel Mund-Nasen-Schutz oder FFP-Masken) hat das Robert-Koch-Institut für niedergelassen Ärzte und Krankenhäuser online auf seiner Website zusammengestellt.  Darüber hinaus finden Sie auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin viele nützliche Empfehlungen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Gesundheit haben dem Krisenstab der Bundesregierung ein neuartiges Wiederverwendungsverfahren von Atemschutzmasken vorgeschlagen. Alle Informationen hierzu auf der Seite des BMAS.

Zudem hat die Bundesregierung eine Empfehlung für Atemschutzmasken in der Bevölkerung veröffentlicht. 

Wie werden die Versichertendaten bei Telefon- und Videosprechstunden erfasst?

 

Laut KBV ist die Vorlage der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) für die telefonische Konsultation sowie für Folgerezepte nach telefonischer Anamnese, Überweisungen und Folgeverordnungen nicht notwendig, wenn der Patient in den zurückliegenden sechs Quartalen (1. Oktober 2018 bis 31. März 2020) mindestens einmal in der Praxis war. In diesen Fällen übernimmt die Praxis die Versichertendaten aus der Patientenakte. Dies gilt auch für die Videosprechstunde und die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Bei diesen beiden Angeboten gibt es zudem die Möglichkeit, auch unbekannte Patienten ohne Einlesen der eGK zu behandeln. In diesem Fall übermittelt der Patient seine Daten per Telefon oder Video an die Praxis. Weiteren Informationen auf der Website der KBV.

Welche Sonderregelungen wurden bei der KV im Bezug auf Corona vereinbart?

Ob telefonische AU-Bescheinigung oder Portokosten für Rezepte – um Ärzte und Psychotherapeuten in der Coronakrise zu entlasten und eine zusätzliche Ausbreitung des COVID-19-Virus über die Wartezimmer zu verhindern, hat die KBV zahlreiche Sonderregelungen abgeschlossen. Alle Regelungen auf einen Blick finden Sie auf der Website der KBV.

Wo finde ich Informationen für meine Patienten zur Verwendung von  „Community“-Masken während der Maskenpflicht?

Ab dem 27. April 2020 gilt im Rahmen der Corona-Verordnung in Baden-Württemberg eine Maskenpflicht. Hierbei ist jedoch kein medizinischer Mundschutz gemeint, es genüge ein Schal, Tuch oder eine selbst gemachte oder gekaufte Stoffmaske. Alle Informationen zu den aktuell gültigen Verordnungen finden sie auf www.baden-wuerttemberg.de.

Was beim Tragen und der Erstellung solcher „Community“-Masken zu beachten ist, darüber informiert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Anleitungen zur Erstellung solche Masken stellt „Der Hausarzt”, das offizielle Organ des Deutschen Hausärzteverbandes, zum Download bereit. 

Wo erhalte ich Hilfe zur Cybersicherheit in der Hausarztpraxis?

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt derzeit vor einer Zunahme von Cyber-Angriffen mit Bezug zum Corona-Virus auf Unternehmen und Bürger. Die internationale Polizeibehörde INTERPOL hat zudem eine Warnmeldung veröffentlicht, in der sie die generelle Gefahr von Cyberangriffen auf Einrichtungen im Gesundheitswesen während der Pandemie beschreibt.

Das Innenministerium Baden-Württemberg und die Cyberwehr am FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe reagieren darauf, indem die Cyberwehr ihre Dienstleistungen für Einrichtungen der Gesundheitsbranche in den nächsten drei Monaten landesweit anbietet. Das Leistungsangebot der Cyberwehr umfasst eine Telefon-Hotline, eine Vorfallsanalyse, eine spezifische Beratung und einen Task-Force-Einsatz durch ein IT-Sicherheitsunternehmen vor Ort.

Unter der kostenlosen Hotline 0800 CYBERWEHR, 0800 292379347, stehen die Experten rund um die Uhr zur Verfügung und helfen unbürokratisch im Rahmen eines Erste-Hilfe-Einsatzes. Weitere Informationen zu Cyberwehr auf der Seite baden-wuerttemberg.de.

Gilt die Maskenpflicht auch für Patienten in der Hausarztpraxis?

Seit dem 29.05.2020 gilt in Baden-Württemberg die Maskenpflicht auch in Arztpraxen.  Demnach müssen Patientinnen und Patienten sowie deren Begleitpersonen ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr eine nicht-medizinische Alltagsmaske oder eine vergleichbare Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) tragen, wenn dies nicht aus medizinischen oder aus sonstigen zwingenden Gründen unzumutbar ist. Alle weiteren Informationen finden Sie in der Corona-Verordnung.

Wie kann ich chronisch kranke Patienten versorgen, die sich nicht mehr trauen, persönlich in die Praxis zu kommen?  

Wenn ein chronisch kranker Patient aus Angst vor einer Ansteckung nicht in Ihre Hausarztpraxis kommt, so haben Sie in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) die Möglichkeit, mit fernmündlichen Methoden aktiv Kontakt zur Gesundheitsfürsorge aufzunehmen. Dafür hat der Patient Sie mit seiner Teilnahme an der HZV rechtlich ermächtigt.

Wenn Sie Kontakt aufnehmen, ist es wichtig, dass Sie sich nach dem Gesundheitszustand der erkrankten Person erkundigen, die Medikamenteneinnahme abfragen, den Bedarf nach Folgeverordnungen klären und wenn nötig einen Sprechstundentermin vereinbaren. Darüber hinaus können auch Unsicherheiten und Ängste besprochen und geklärt werden.

 

Was muss ich tun, wenn ein Patient von der Corona-Warn-App gewarnt wurde?

Seit dem 16. Juni 2020 ist die neue Corona-Warn-App der Bundesregierung auf dem Markt. Sie soll dabei helfen, festzustellen, ob ein App-Nutzer in Kontakt mit einer infizierten Person geraten sist und daraus ein Ansteckungsrisiko entstehen kann. Infektionsketten sollen so schneller unterbrochen werden. Der Download und die Nutzung der App sind freiwillig. Sie ist kostenlos für Apple-Nutzer im App Store und für Android-Nutzer bei Google Play erhältlich.

Die App misst über das Smartphone, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher zwei Meter gekommen sind. Mit Hilfe von Schwellenwerten werden aus den Messwerten die Risikomelden "niedriges Risiko" und "erhöhtes Risiko" ausgegeben. Wie Hausärzte mit Patienten umgehen können, die von der Corona-Warn-App informiert wurden, und wie die Corona-Warn-App arbeitet, hat "Der Hausarzt.Digital" auf seiner Website in sechs Schritten anschaulich dargestellt. 

Die Ärztezeitung hat eine Grafik zum strukturierten Umgang mit Corona-Verdachtspatienten im Zusammenhang mit der App veröffentlicht.

Für Tests zur diagnostischen Abklärung sowie für Tests nach einer Meldung „erhöhtes Risiko“ durch die Corona-Warn-App, wird nun das Muster10C verwendet. Weitere Informationen hierzu von der KBV.

Wie bleibe ich als Arbeitgeber attraktiv? | Dr. Lutz Hager

Die Corona-Krise stellt Praxisinhaber und Arbeitgeber vor große Herausforderungen. Dr. Lutz Hager ist stellvertretender Geschäftsführer der ze:roPRAXEN, ein Zusammenschluss aus 22 haus- und fachärztlichen Praxen sowie Dialysezentren in der Metropolregion Rhein-Neckar. Mit seinen rund 350 Mitarbeiter probiert er neue Wege aus, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.

Wie bleibe ich als Arbeitgeber während der Corona-Pandemie attraktiv?
Als wachsender regionaler Verbund aus Haus- und Facharztpraxen sind wir kontinuierlich auf der Suche vor allem nach Hausärzten, die mit uns die ambulante Gesundheitsversorgung nachhaltig in die Zukunft führen. Die Corona-Pandemie stellt uns wie viele andere Arbeitgeber auch gerade bei der Bewerbersuche vor zusätzliche Herausforderungen. Wo Karrieremessen und weitere physische Präsenzveranstaltungen wegfallen, wo die Zeit von Fachärzten und angehenden Ärzten knapp bemessen ist, weil sie an vorderster Front gegen die Pandemie kämpfen, müssen Unternehmen neue Wege gehen, um Bewerber zu erreichen. Solche, die nah dran sind an der Lebenswirklichkeit meiner Zielgruppe. Die Bedürfnisse von jungen angehenden Hausärzten haben sich geändert. Teamarbeit, Work-Life-Balance und modernes Arbeiten sind wichtige Schlagworte. Auf diese Bedürfnisse wollen wir bereits bei der Bewerbersuche und schon beim ersten Kennenlernen eingehen. Deshalb war es uns wichtig, ein innovatives Format zu entwickeln, das in kurzer Zeit sehr viele Fragen beantwortet und Chancen aufzeigt. Gleichzeitig soll es eine Teilnahme digital und ortsungebunden ermöglichen, aber trotzdem maximale Nähe schaffen. Das alles wollen wir mit einem digitalen Live-Talk erreichen.

Was verbirgt sich hinter Ihrem neuen Angebot der digitalen Live-Talks?
Beim digitalen Live-Talk handelt es sich um eine circa 1,5-stündige Veranstaltung, die man sich wie eine TV-Talk-Sendung vorstellen kann. Teilnehmer sind Vertreter des ze:roPRAXEN-Verbunds, die von einem Moderator befragt werden. Geschäftsführung und Ärzte geben Informationen aus erster Hand geben. Neben Fragenrunden zu Themen wie Weiterbildung zum Facharzt, Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten bei den ze:roPRAXEN vermitteln Video-Einspieler direkte Eindrücke vom Arbeitsalltag in unserem Verbund. Im Chat haben die Zuschauer zudem die Möglichkeit ihre Fragen direkt zu adressieren. Das neue Format ist in Zusammenarbeit mit der Jofodo AG, ebenfalls ein ärztliches Unternehmen, entstanden, die auf innovative Rekrutierungsformen spezialisiert ist.

Warum haben Sie die digitalen Live-Talks initiiert?
Der ärztliche Stellenmarkt ist ein Arbeitnehmermarkt. Es gibt mehr freie Stellen als Ärzte, die sich bewerben. Daher sind neue Formen der Bewerberansprache gefragt. Neben den klassischen Wegen wie etwa Stellenanzeige und der Teilnahme an (digitalen) Karrieremessen setzen wir bewusst auf neue Formate, die potenziellen Bewerbern eine echte Orientierung und einen Mehrwert für ihre Karriereplanung bieten. In einem Live-Talk können in kurzer Zeit viele Informationen vermittelt werden, und der Zuschauer kann ganz bequem von Zuhause aus teilnehmen.

Wann und wo findet der Live-Talk statt und wie kann man teilnehmen?
Der digitale Live-Talk findet am Freitag, 26. Juni, um 16 Uhr statt und wird per Live-Stream übertragen. Nach der Anmeldung, die auch anonym erfolgen kann, bekommen die User einen Link zugeschickt, der sie zum Live-Stream führt. Die Teilnahme ist mit allen mobilen Endgeräten, wie Laptop, Tablet oder Smartphone möglich und natürlich kostenlos. Weitere Informationen zum Event und der Anmeldung gibt es unter www.jofo.do/zero-boost. Wir freuen uns auf viele Zuschauer und Chatfragen!

Wie kann ich den Mindestabstand von 1,5 m in meiner Praxis einhalten?

Viele Praxen haben Probleme den Abstandsregelungen in ihren Räumlichkeiten gerecht zu werden. Hier ein paar nützliche Tipps, um die bundesweiten Vorgaben besser umsetzen zu können:

Schild am Praxiseingang/ Information auf Praxishomepage:

  • Bitte rufen Sie für jedes Anliegen erst in der Praxis an und vereinbaren Sie einen Termin mit unsrem Praxisteam. Auch wenn es sich nur um die Abholung eines Rezepts handelt, bitten wir Sie höflich vorher einen Termin zur Abholung zu vereinbaren.

Anrufbeantworter:

  • Bitten Sie Ihre Patienten sich für jedes Anliegen telefonisch/per Mail mit Ihnen abzustimmen, um das Aufkommen von walk-in Patienten möglichst klein zu halten.
  • Bitten Sie Ihre Patienten zum vereinbarten Termin zu erscheinen, nicht früher, aber auch nicht später. So können Sie möglicherweise Überschneidungen von Patienten reduzieren und den Mindestabstand im Wartezimmer besser einhalten.

Weitere Tipps, falls das Wartezimmer trotz strenger Zeitvorgaben überfüllt sein sollte:

  • Es ist schönes Wetter? Bitten Sie Ihre Patienten bei Wartezeiten noch draußen vor der Praxis zu warten, sofern es der Gesundheitszustand des Patienten erlaubt.
  • Bitten Sie Ihre Patienten im eigenen Auto zu warten, bis ein Platz im Wartezimmer frei wird. 
Wie verfahre ich im Krankheitsfall einer Person aus einer Gemeinschaftseinrichtung (z.B. Schule und Kindertagesstätte)?

Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg hat Empfehlungen zu Vorgehensweise für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege und für allgemein bildende und berufliche Schulen im Zusammenhang mit Coronafällen veröffentlicht. Aus diesen geht hervor, wie in diesen Fällen zu verfahren ist. 

Wie wird in Deutschland getestet?

Zu den wichtigsten Maßnahmen, um das Coronavirus zu bekämpfen, gehören Tests. Dabei ist ein zielgerichtetes Vorgehen besonders wichtig. Die geltende nationale Teststrategie ist vom Bundesministerium für Gesundheit in der "Verordnung zum Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2" festgelegt und wird kontinuierlich an die aktuellen Entwicklungen angepasst.

Kann ich mein Praxispersonal regelmäßig präventiv testen lassen?  

Ja, Sie können Ihr Personal regelmäßig vorsorglich testen (Coronavirus-Testverordnung – TestV).

Neben Antigen-Schnelltests sind Antigen-Labortests möglich. Die Testungen müssen nicht mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden. Wichtig ist, dass Sie hierbei nur Antigen-Tests verwenden, die vom Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte ausgewiesen werden. Eine Liste vom BfAuM mit erstattungsfähigen Test finden Sie hier.

Positive Testergebnisse eines SARS-CoV-2-Erregers sind namentlich meldepflichtig und müssen durch einen PCR-Test bestätigt werden. Für den Schnelltest entstehen Ihnen Beschaffungskosten in Höhe von maximal 7 Euro pro Test. Der Abstrich beim Praxispersonal kann jedoch nicht abgerechnet werden. Dies muss von der KBV bis zum 12. November noch festgelegt werden.

Empfehlungen zu Arbeitsschutzmaßnahmen bei den Testungen hat der Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) veröffentlicht: Empfehlung zu Arbeitsschutzmaßnahmen bei Probenahme und Diagnostik von SARS-CoV-2 (PDF-Dokument)

Rechtliche Fragestellungen

Wann muss ich als Hausarzt einen Verdachtsfall melden?

Alle begründeten Verdachts-, Krankheits- und Todesfälle im Zusammenhang mit SARS-COV-2 müssen gemeldet werden. Diese Meldung muss innerhalb eines Tages, das heißt 24 Stunden, unter Angabe des Namens und der Kontaktdaten des betroffenen Patienten an das Gesundheitsamt geschehen.

Weitere Informationen finden Sie im Dokument des Deutschen Hausärzteverbands.

Wann handelt es sich um einen „begründeten Verdachtsfall“?

Ein „begründeter Verdachtsfall“ hatte laut RKI Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall oder war in den letzten 14 Tagen in einem vom RKI genannten Risikogebiet und weist Symptome wie Fieber, Husten, Atemnot oder Heiserkeit auf. Alle weiteren Verdachtsfälle sind nicht zu melden.

Mehr Informationen haben wir für Sie im Dokument des Deutschen Hausärzteverbands zusammengestellt.

Was passiert, wenn Ihr Praxispersonal erkrankt?

Im Falle eines an SARS-COV-2 erkrankten Mitarbeiters erhält dieser Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Krankengeld. Ist der Mitarbeiter nicht erkrankt, das Gesundheitsamt hat die Person jedoch aufgrund von Verdacht auf eine Ansteckungsgefahr isoliert, so erhalten diese eine Entschädigung nach § 56 Infektionsschutzgesetz.

Ausführliche Informationen zu Tätigkeitsverboten und Quarantäne der Praxismitarbeiter finden Sie im Dokument des Deutschen Hausärzteverbands.

Welche Konsequenzen hat die Schließung von Kitas und Schulen für die Abläufe in der Hausarztpraxis?

Ist es dem Mitarbeiter nicht möglich zur Arbeit zu erscheinen, da die Kinderbetreuung des Mitarbeiters aufgrund von Kita- oder Schulschließungen nicht gewährleistet kann, könnte der Mitarbeiter einen Lohnfortzahlungsanspruch nach § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (RGB) haben. Hierzu muss jedoch der betreffende Arbeitsvertrag zur Prüfung herangezogen werden, da § 616 RGB abdingbar ist und in Arbeitsverträgen ausgeschlossen werden kann.

Ausführlichere Informationen finden Sie im Dokument des Deutschen Hausärzteverbands.

Welche Regelungen gibt es zu den Arbeitszeiten in der Praxis?

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg hat am 16. März 2020 mit einem Schreiben an die zuständigen Behörden umfangreiche Ausnahmeregelungen im Arbeitszeitrecht veranlasst. 

Die Ausnahmeregelungen sehen vor, dass in systemrelevanten Tätigkeiten, wie die Arbeit in der Hausarztpraxis, zur Bekämpfung der Pandemie durch das Coronavirus SARS-CoV-2 auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet werden darf. Zudem kann in diesen Tätigkeiten die tägliche Höchstarbeitszeit auf bis zu zwölf Stunden verlängert werden. 

Die Regelung tritt nach örtlicher Bekanntmachung durch die zuständigen Behörden in Kraft und ist befristet bis zum 30. Juni 2020. Die betroffenen Betriebe müssen keinen Antrag stellen. Weitere Informationen hierzu auf der Seite des  Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg.

Wie kommt das Praxispersonal auch bei Ausgangssperre in die Praxis?

Bei Ausgangssperren gibt es für Hausärzte und ihre Teams  eine Ausnahme, da sie zu den systemrelevanten Berufen gehören, die nicht komplett ins Homeoffice verlagert werden können. Der Hin- und Rückweg in die Praxis ist in diesem Fall ausdrücklich von einer sogenannten Ausgangssperre ausgenommen, sofern eine entsprechende Bescheinigung des Arbeitgebers vorliegt.

Für Hausärzte stellen wir hier eine Muster-Erklärung zum Download bereit. 

 

Was ist bei der Beschäftigung von Schwangeren in der Hausarztpraxis zu beachten?

Die Fachgruppe Mutterschutz der Regierungspräsidien Baden-Württembergs erklärt in ihrer Info Mutterschutz, was es bei der Beschäftigung von schwangeren Frauen in der Hausarztpraxis zu beachten gibt. Demnach sollten schwangere Frauen grundsätzlich nur für patientenferne Tätigkeiten eingesetzt werden. Ob jeweils alternativ andere (personenferne) Tätigkeiten möglich sind, ist in der Gefährdungsbeurteilung festzulegen, zu dokumentieren und ggf. für den Einzelfall zu bestimmen.

Welche Sicherheitsvorkehrungen muss ich in der Hausarztpraxis treffen?

Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeiter zur Einhaltung der Hygieneregeln anhalten und im Arbeitsumfeld auch die Voraussetzungen hierfür schaffen. Hierbei gilt es insbesondere die Arbeitsplatzgestaltung nach SARS-CoV2-Arbeitsschutzstandard des BMAS einzuhalten:

  • Arbeitsplätze müssen ggf. so umgestaltet werden, dass zwischen den Einzelplätzen mindestens 1,5 m Abstand und am besten noch Trennwände liegen; bei Arbeitsplätzen mit Publikumsverkehr sind letztere inzwischen Pflicht,
  • Desinfektionsmittel, Handseifen, Handtuchspender sind vom Arbeitgeber bereitzustellen,
  • Schutzabstände in Bereichen, in denen sich üblicherweise mehrere Mitarbeiter gleichzeitig aufhalten (Kopierer, Küche, Zeiterfassung, Materialausgabe), sind deutlich zu markieren,
  • Zeitpläne für versetzte Arbeitszeiten, Pausen oder Zeiten zum Wechseln in oder aus der Arbeitskleidung sind vorzugeben,
  • Betriebsmittel, die ständig genutzt werden, sind möglichst personenbezogen bereitzustellen.

Finanzen

Welchen Anspruch auf Entschädigung gibt es, wenn ich meine Praxis schließen muss?

Grundsätzlich besteht für eine Praxis, die aufgrund von infektionsschutzrechtlichen Gründen oder per Anordnung von Quarantäne geschlossen wird, Anspruch auf Entschädigung nach § 56 Infektionsschutzgesetz. Erster Ansprechpartner ist hierfür die zuständige Behörde, die auf der Internetseite des jeweiligen Gesundheitsamtes des Bundeslands oder bei der KBV eingesehen werden kann.

Für ausführlichere Informationen verweisen wir auf die ausführlichen Informationen des Deutschen Hausärzteverbands.

Was kann ich tun, wenn ich wegen der Corona-Pandemie mit meiner Praxis in eine existenzbedrohende Lage geraten bin?

Auch Vertragsärzte können Kurzarbeitergeld bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Alle Informationen hierzu in der Weisung vom 07.05.2020 – Kurzarbeitergeld an Leistungserbringer im Gesundheitswesen und auf arbeitsagentur.de.

Gewerbliche Unternehmen, Sozialunternehmen und Angehörige freier Berufe (wie zum Beispiel Ärzte, Apotheker oder Rechtsanwälte), die sich durch die Coronavirus-Krise in einer existenzbedrohenden wirtschaftlichen Lage befinden, werden vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg im Rahmen eines Soforthilfeprogramms mit einem einmaligen und nicht rückzahlbaren Zuschuss unterstützt.

Der Zuschusses sollen Praxen dabei helfen, Engpässe für laufende Betriebskosten wie Mieten, Kredite für Betriebsräume oder Leasingraten zu überbrücken. Die Zuschüsse sind nach Anzahl der Beschäftigten gestaffelt.

Um einen Antrag stellen zu können, muss sich der Sitz der Praxis in Baden-Württemberg befinden. Alle Informationen zum Soforthilfeprogramm und der Antragsstellung hat das Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg online für Sie zusammengestellt.

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank e.G. stellt Informationen zu Soforthilfen für niedergelassene Heilberufler in der Corona-Krise bereit.

Wie rechne ich Corona-Patienten in der KV ab?

Alle aktuellen Informationen zur Abrechnung und Kennzeichnung des Coronavirus im Abrechnungssystem der Kassenärztlichen Vereinigung finden Sie auf den Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Alle ärztlichen Leistungen, die aufgrund des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder einer nachgewiesenen Infektion mit dem Coronavirus erforderlich sind, werden seit 01. Februar in voller Höhe extrabudgetär vergütet. 

Seit dem 01. April gibt es für die Kennzeichnung von Leistungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus ein neues Verfahren. Es wird nicht mehr der gesamte Fall gekennzeichnet, sondern der Arzt dokumentiert die Ziffer 88240 an allen Tagen, an denen er den Patienten wegen des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder wegen einer nachgewiesenen Infektion mit dem Coronavirus behandelt.

Welche Steuererleichterungen gibt es für meine Arbeitnehmer?

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können ihren Beschäftigten nun Beihilfen und Unterstützungen bis zu einem Betrag von 1.500 Euro steuerfrei auszahlen oder als Sachleistungen gewähren. Erfasst werden Sonderleistungen, die die Beschäftigten zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020 erhalten. Alle weiteren Informationen hierzu auf der Website des Bundesfinanzministeriums

Wo bekomme ich als neu niedergelassener Arzt finanzielle Hilfe?

Die Coronavirus-Krise stellt vor allem junge Hausärzte, die sich erst vor kurzem den Schritt in die eigene Niederlassung gewagt haben, vor große finanzielle Herausforderungen. Neben Hygiene und Schutzausrüstung, Terminmanagement und Versorgung von Riskiopatienten prägt wirtschaftliche Unsicherheit ihren Arbeitsalltag.

Auch während der Corona-Pandemie müssen laufende Praxisausgaben und Belastungen aus Investitionen bewältigt werden. Patientenzahlen entwickeln sich im Moment aber vollkommen anders als bei der Praxisübernahme kalkuliert. Während Ärzte, die schon seit längerer Zeit niedergelassen sind, im ersten Quartal 2020 mit einer 90-prozentigen an den Einnahmen des Vorjahresquartals angelehnten Auszahlung durch die Kassenärztliche Vereinigung rechnen können, sollen neu niedergelassene Hausärzte 90 Prozent Honorar des Fachgruppendurchschnittes erhalten, auf Antrag 90 Prozent des Vorgängers.

Wenn Sie mit Ihrer neu gegründeten Hausarztpraxis durch die Corona-Krise in eine wirtschaftliche Notlage geraten sind, empfehlen wir Ihnen das Soforthilfeprogramm des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg. Außerdem kann es hilfreich sein, mit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank Kontakt aufzunehmen und Kreditmöglichkeiten zu besprechen.

Eine Übersicht aller Entschädigungen bei Quarantäne, Tätigkeitsverbot oder Schul- und Kitaschließungen nach dem Infektionsschutzgesetz finden Sie auf ifsg-online.de.

Wenn Sie darüber hinaus Fragen haben oder Unterstützung brauchen, dann melden Sie sich jederzeit gerne per E-Mail an info@hausarzt-bw.de bei uns!

Wie rechne ich Abstriche bei Patienten ab, die von der CoronaWarnApp gewarnt wurden?

Zum Start der CoronaWarnApp wurden neue Leistungen in den EBM aufgenommen, um den Abstrich und die Laboruntersuchung zu vergüten. Ärzte können sie bei Versicherten abrechnen, die nach einem Warnhinweis der App für einen Test in die Praxis kommen. Die Abrechnung des Abstrichs und/oder des Gespräches erfolgt über die neue Gebührenordnungsposition GOP 02402 (10 Euro). Auch für die Laboruntersuchung infolge eines Warnhinweises durch die App gibt es neue Leistungen im EBM. Alle Informationen zur Abrechnung von Abstrichen im Zusammenhang mit der CoronaWarnApp finden Sie auf der Seite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Wie sind die Corona-Tests für Reiserückkehrer abzurechnen?

Mit der neuen nationalen Teststrategie ist seit dem 15. September 2020 die Kostenübernahme für Coronatests bei Einreisenden aus Nicht-Risikogebieten entfallen. Die Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums sieht Tests bei Personen ohne Symptome vor, die sich in den letzten 14 Tagen vor Einreise nach Deutschland in einem ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten haben. Der Anspruch auf Testung bei Einreise aus Risikogebieten besteht innerhalb von zehn Tagen. Alle aktuellen Informationen finden Sie auf der Seite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Wie sieht die derzeitige Teststrategie aus und wie erfolgt die Abrechnung?

Informationen zur Teststrategie finden Sie auf der Seite des RKI.