25. November 2020

Gewalt gegen Frauen - die andere Pandemie

Gewalt gegen Frauen ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen überhaupt. Häusliche Gewalt ist gemäß einer vom Europarat zitierten Statistik die Hauptursache für den Tod oder die Gesundheitsschädigung von Frauen zwischen 16 und 44 Jahren und rangiert damit noch vor Krebs oder Verkehrsunfällen. Sie kommt in allen sozialen Schichten und Altersgruppen vor.

In Deutschland wird jede dritte Frau in ihrem Leben Opfer physischer oder sexualisierter Gewalt. Bei jeder vierten Frau ist der Täter der aktuelle Partner oder ein früherer Partner. Auf das Jahr gerechnet ermordet in Deutschland fast täglich ein Partner oder Ex-Partner eine Frau. Statistisch gesehen wird alle 45 Minuten eine Frau Opfer von gefährlicher Körperverletzung durch Partnerschaftsgewalt. Weltweit werden fast 70% der weiblichen Mordopfer von ihren männlichen Partnern ermordet (WHO,Geneva 2002, World Report on Violence and Health, p. 118 ).

Die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ist eine große Aufgabe, die die Gesellschaft gemeinsam angehen muss. Gerade während der Coronakrise fürchten Expert*innen eine Verstärkung der Problematik.

Gewalt gegen Frauen geht uns alle an, daher sind Hausärztinnen und Hausärzte hier in einer besonderen Verpflichtung, achtsam zu sein und auf Anzeichen von Gewalt gegen Frauen zu achten.

Der Deutsche Hausärzteverband hat auf Vorschlag des Forum Hausärztinnen auf seiner jüngsten Delegiertenversammlung im September 2020 die Bundesregierung aufgefordert, die Istanbuler Konvention vollständig umzusetzten und endlich einen nationalen Aktionsplan gegen geschlechtsspezifische Gewalt in der Gesellschaft vorzulegen, der für alle betroffenen Ministerien überprüfbare Ziele, Zeitschienen und Verantwortlichkeiten festlegt.

> Weitere Informationen zum Thema im Podcast (DER HAUSARZT)