27. April 2020

Forderung: Keine Entscheidungen über die Köpfe von Hausärzten hinweg

Liebe Medienvertreter,

der Corona-"Ausnahmezustand" fordert uns Hausärztinnen und Hausärzte seit Wochen. In dieser Krise wurde ein bestehender Missstand besonders deutlich: Entscheidungen, die direkt oder indirekt unsere hausärztliche Tätigkeit betreffen, werden wiederholt über die Köpfe von Hausärzten hinweg getroffen. Hiergegen verwehren wir uns!

Politisch wird unsere Koordinationsfunktion in der Gesundheitsversorgung seit Jahren mit dem massiven Ausbau des Facharztsystems unterlaufen und die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) angegriffen. Wenn es opportun ist, wird dagegen auf genau diese Koordinationsfunktion verwiesen und im "Extremfall Würzburg" sogar Kollegen "zwangsverpflichtet".

Wir Hausärzte haben in den letzten Wochen Unglaubliches geleistet. Eine logische Schlussfolgerung wäre nun, uns Hausärzte zu fördern und das bisherige System auf Basis der jetzigen Erfahrungen zu hinterfragen. Das hohe eigene Risiko für Hausärzte, die immense Verantwortung für das Wohl der Patienten und das Durchgriffsrecht des Staates auf Hausärzte, muss sich auch in der Vergütung und der Sicherung ihrer Existenzen widerspiegeln, was derzeit mitnichten spürbar ist.

Mit unserer individuellen ambulanten Betreuung und Begleitung des weitaus überwiegenden Teils der COVID-Patienten haben wir Hausärzte die Krankenhäuser entlastet und unseren Beitrag geleistet, dass die Krise bislang gut beherrscht werden konnte. COVID-19 wird uns noch einige Zeit begleiten und wir Hausärzte werden uns weiterhin engagiert für das Wohl unserer Patienten einsetzen. Damit wir das in gewohnter Weise tun können, fordern wir:

1. Die Einbeziehung hausärztlicher Gremien oder gegebenenfalls unserer medizinischen Fachgesellschaft (DEGAM) bei versorgungsrelevanten Entscheidungen!

2. Eine klare Stärkung unserer Lotsenfunktion im Gesundheitswesen.

3. Eine adäquate finanzielle Entschädigung für die stark erhöhten Kosten unserer Infrastruktur.

Wir Hausärzte haben einen großen Anteil daran, dass die Krise bislang gut beherrscht werden konnte. Jetzt ist der Zeitpunkt, dass wir die gebührende Anerkennung einfordern, um unseren interessanten und vielseitigen Beruf noch attraktiver für den Nachwuchs gestalten zu können.

Herzliche Grüße

Dr. med. Berthold Dietsche
Vorsitzender

Dr. med. Frank-Dieter Braun
2. Vorsitzender

 

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