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Gesund ins Leben starten
Babys entwickeln sich rasch - besonders im ersten Lebensjahr machen sie fast täglich Fortschritte. Plötzlich lächeln sie, heben ihr Köpfchen ganz allein, halten ihr Lieblingsspielzeug fest und glucksen dabei vor Vergnügen. Babys können sich schon von Geburt an anstecken. Spätestens dann, wenn sie beginnen zu krabbeln, steigt die Infektionsgefahr nochmals deutlich an.

Um den Kleinen zu helfen, einen optimalen Schutz gegen Infektionskrankheiten aufzubauen, sollten sie so früh wie möglich, geimpft werden. Um die Zahl der Injektionen möglichst gering zu halten, empfiehlt die STIKO Kombinations-Impfstoffe zu verwenden.

Warum sollten bereits Säuglinge geimpft werden?
Viele der sogenannten Kinderkrankheiten wie beispielsweise Keuchhusten oder Haemophilus influenzae Typ b sind besonders gefährlich für Säuglinge, da es zu schweren Krankheitsverläufen oder Komplikationen kommen kann. Je früher eine Impfung erfolgt, desto eher ist das Kind gegen diese Krankheiten geschützt. Zudem benötigt der Aufbau des kompletten Impfschutzes gegen eine Krankheit etwas Zeit.
Welche Impfungen werden für Säuglinge empfohlen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt Impfungen gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf (Tetanus), Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b und Leberentzündung (Hepatitis B). Die Kosten für die empfohlenen Impfungen übernehmen die Krankenkassen.
Ein Impfstoff gegen mehrere verschiedene Krankheiten - überlastet das nicht das Immunsystem des Babys?
"Nein, denn bereits durch die ""Ausatemluft"" seiner Eltern kommt ein Baby mit weitaus mehr unterschiedlichen Keimen in Berührung, mit denen sich sein Abwehrsystem auseinandersetzen muss. Im Vergleich dazu ist die Belastung durch eine Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff sehr gering. "
Wie verträglich sind Kombinationsimpfstoffe?
So wenig wie möglich, so viel wie nötig: Dieser Grundsatz gilt auch für die modernen und gut verträglichen Kombinationsimpfstoffe. Umfangreiche Studien haben ergeben, dass Säuglinge Kombinationsimpfstoffe sowohl bei der Grundimmunisierung als auch bei der Auffrischimpfung gut vertragen. Es besteht kein Unterschied in der Verträglichkeit und Wirksamkeit im Vergleich zu den Einzelimpfstoffen.
Kann ein Kind auch geimpft werden, wenn es erkältet ist?
Eine Erkältung ist kein Grund, ein Kind nicht zu impfen, auch nicht mit Mehrfachimpfstoffen. Wenn Ihr Kind am Tag nach der Impfung eine Erkältung bekommen sollte, liegt es entweder daran, dass sich Ihr Kind im Wartezimmer angesteckt hat oder bereits einen Infekt hatte, der am Impftag noch nicht zum Vorschein kam. Gerade im Winter passiert das leider sehr häufig. Wenn Ärzte bei einer Erkältung von einer Impfung abraten, möchten sie nur verhindern, dass sich die Eltern unnötige Sorgen machen, falls sich die Erkältung verschlimmert. Ein medizinischer Grund ist das aber nicht.
Haben Impfungen Nebenwirkungen?
Manchmal treten örtliche Reaktionen wie Hautrötungen und Schwellungen auf, die in einigen Fällen schmerzhaft sind. Auch Fieber und Unruhe können auftreten. Dies sind jedoch alles Zeichen, dass der Körper Abwehrkräfte bildet und kein Grund zur Besorgnis.
Ist ein Mensch, der alle Kinderkrankheiten durchgemacht hat, später widerstandsfähiger?
Nein. Dies macht die körpereigene Abwehr weder besser noch schlechter. Auch Impfungen haben keinen Einfluss darauf, wie widerstandsfähig man später insgesamt als Erwachsener ist, aber sie bieten Schutz vor den entsprechenden Krankheiten.
Sollen chronisch kranke Kinder, z.B. Asthmatiker oder Kinder mit Herzfehlern, geimpft werden?
Gerade chronisch kranke Kinder müssen vor Infektionen geschützt werden, denn die Immunabwehr der Kinder ist durch die Grunderkrankung geschwächt. Schwere Infektionen sind für sie besonders gefährlich, da diese oft einen schlimmen Verlauf nehmen und weitere Gesundheitsstörungen zur Folge haben können. So ist beispielsweise Keuchhusten gerade für Asthmakinder extrem belastend.
Babys bekommen doch mit der Muttermilch auch Abwehrstoffe. Reicht das nicht als Schutz gegen Kinderkrankheiten aus?
Nein. Die Muttermilch enthält zwar Abwehrzellen und Immunglobuline, aber sie verleiht keinen ausreichenden Schutz gegen Kinderkrankheiten. Auch der vorgeburtliche Schutz, den das Baby über das Nabelschnurblut von der Mutter erhält, lässt nach der Geburt nach. Das Neugeborene muss daher so schnell wie möglich seine eigene Abwehr aufbauen.
Was ist zu tun, wenn das Impfbuch des Kindes verlegt wurde?
"Eine fehlende ärztliche Dokumentation über eine Impfung wird gleichgesetzt mit ""nicht geimpft"". Das heißt, Kinder und Erwachsene, die keinen Impfnachweis haben, werden wie Nichtgeimpfte behandelt und geimpft. Eventuell vorausgegangene Impfungen stellen dabei kein Risiko dar. "
Wie kann man sich mit einer Diphtherie anstecken?
Der Diphtherie-Erreger, das Bakterium Corynebacterium diphtheriae, wird durch Niesen und Husten übertragen. Durch diese Tröpfcheninfektion gelangt das Bakterium in die oberen Atemwege. Von hier aus breitet es sich im ganzen Organismus aus und führt zu einer Reihe von Krankheitserscheinungen.
Was sind die Anzeichen einer Diphtherie?
Man unterscheidet Nasen-, Rachen- und Kehlkopfdiphtherie. Die Schleimhäute schwellen an, es bilden sich Ödeme. Durch die Schwellungen kann es zu akuter Atemnot kommen. Kopfschmerzen, Fieber und Erbrechen sind typische Begleiterscheinungen. Bei einer Kehlkopfdiphtherie besteht akute Lebensgefahr durch Ersticken.
Wie kann die Erkrankung behandelt werden?
Erkrankte Personen müssen stationär behandelt werden. Wegen der Ansteckungsgefahr kommen sie auf die Isolierstation. Bestimmte Substanzen werden verordnet, um die Gifte des Bakteriums zu binden (Antitoxine). Zusätzlich werden Antibiotika gegeben.
lch habe gehört, dass es Diphtherie in Deutschland nicht mehr gibt. Weshalb sollte ich mich trotzdem impfen lassen?
Durch die Reisefreudigkeit der Europäer und die Zuwanderung aus anderen Ländern, vor allem aus Osteuropa, steigt die Zahl der Diphtherie-Erkrankungen in Mitteleuropa wieder an.
Bin ich gegen Diphtherie immun, wenn ich schon mal daran erkrankt war?
Nein, denn eine bereits durchgemachte Diphtherie-Erkrankung bietet keinen lebenslangen Schutz. Sie sollten sich alle zehn Jahre impfen lassen.
Wodurch wird Tetanus hervorgerufen? Wie kann man sich infizieren?
Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, wird durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht. Dieser Erreger, der weltweit im Boden vorkommt, gelangt mit dem Schmutz über Riss-, Schnitt-, Biss- und Schürfwunden in den Körper. Während der Vermehrung in der Wunde bildet das Bakterium verschiedene Giftstoffe (Toxine), die über die Blutbahn in den gesamten Organismus gelangen und die Krankheitserscheinungen hervorrufen.
Wie wird Tetanus übertragen?
Eine direkte Übertragung der Infektion von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Der bakterielle Erreger Clostridium tetani wird über das Einbringen von Schmutz oder Staub in offene Hautwunden übertragen. ;
Wo kann man sich infizieren?
Die Erreger des Wundstarrkrampfes sind in der Natur weit verbreitet. Besonders in der Erde kommen sie häufig vor. Durch kleinste Wunden können die Bakterien in den Körper gelangen. ;
Wie macht sich die Erkrankung bemerkbar?
Das meist schwer verlaufende Krankheitsbild ist durch Muskelkrämpfe gekennzeichnet, die innerhalb von etwa einem Monat nach der Infektion einsetzen. Von den Krämpfen sind zunächst die Kiefer- und Zungenmuskeln, später auch Nacken-, Rücken- und Bauchmuskeln betroffen. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine Lähmung der Atemmuskulatur zu Erstickungsanfällen bis hin zum Tod führen. ;
Wie gefährlich ist Wundstarrkrampf? Kann man daran sterben?
Das Tückische an dieser Krankheit ist, dass kleinere offene Hautwunden oft verharmlost werden und nicht an das Risiko einer Infektion mit Tetanus-Erregern gedacht wird. 30 Prozent der ungeschützten Personen sterben auch heute noch an einer Tetanus-Erkrankung. ;
Wie kann Tetanus behandelt werden?
Personen mit einem Verdacht auf Tetanus werden mit Mitteln behandelt, die die Gifte der Bakterien binden und unschädlich machen (Antitoxine). Zusätzlich werden Antibiotika gegeben, um Sekundärinfektionen zu behandeln. ;
Welche Möglichkeiten der Vorbeugung gibt es?
Eine Schutzimpfung gegen Tetanus versetzt den Körper in die Lage, bei einer Infektion die Gifte des Bakteriums unschädlich zu machen. Die Impfung wird als allgemeine Schutzimpfung für alle empfohlen. Nach der Grundimmunisierung ist alle zehn Jahre eine Auffrischung nötig. Die Tetanusimpfung sollte mit der Impfung gegen Diphtherie kombiniert werden. Ein Dreifach-Impfstoff schützt vor Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung (Poliomyelitis). ;
Wer ist von Keuchhusten betroffen?
Keuchhusten galt lange als Kinderkrankheit, nachdem am häufigsten Säuglinge und Kinder im Vorschulalter betroffen waren. Zwischenzeitlich hat sich das Erkrankungsalter nach hinten verschoben. Heute sind es überwiegend Jugendliche und Erwachsene, die an Keuchhusten erkranken. Da die Symptome im Erwachsenenalter nicht so stark ausgeprägt sind, wird der Keuchhusten häufig auch gar nicht als solcher diagnostiziert. ;
Wie häufig tritt Keuchhusten auf?
Jährlich infizieren sich weltweit 40 Millionen Menschen mit dem Bakterium Bordetella pertussis. 500.000 sterben daran. In Deutschland haben jedes Jahr bis zu 100.000 Menschen Keuchhusten. Die Infektion hat keine Saison; Keuchhusten tritt also nicht nur im Erkältungszeitraum Herbst/ Winter auf.
Wie sieht das Krankheitsbild aus?
Im Vorstadium treten meist unspezifischer Husten sowie Schnupfen und leichtes Fieber auf. Besonders typisch für den Keuchhusten im Anfallsstadium sind stoßartige Hustenattacken, die das Atmen erschweren (Reizhusten). Die Betroffenen ringen nach Luft. Gleichzeitig würgen sie zähen, durchsichtigen Schleim hervor. Am Ende einer Attacke müssen sich viele übergeben. Dabei kann Schleim und Erbrochenes in die Luftröhre gelangen. Die Anfälle kommen meist nachts, aber auch bis zu 50 mal tagsüber. ;
Ist Keuchhusten gefährlich?
Die Hustenattacken können in regelrechte Erstickungsanfälle übergehen und besonders Kinder können dann blau anlaufen. Daher wird der Keuchhusten auch Blauer Husten oder Stickhusten genannt. Mögliche Komplikationen sind Blutungen im Auge, Gesicht und am Hals, Entzündungen der Bronchien, der Lunge und des Mittelohrs oder Bewusstlosigkeit. Es können auch Herzbeschwerden auftreten. Durch die Unterversorgung mit Sauerstoff kann das Gehirn dauerhaft geschädigt werden. Die Krankheit kann sogar tödlich enden. ;
Ist Keuchhusten ansteckend?
Ja. Die Bakterien werden durch eine Tröpfcheninfektion, das heißt durch Niesen, Husten und Sprechen übertragen. Anstecken kann man sich daher überall dort, wo viele Menschen zusammen sind und sich nahe kommen: in der Schule oder im Kindergarten, im Beruf, beim Sport oder zu Hause in der Familie. Die Ansteckungsgefahr besteht sechs Wochen lang, auch schon zu Beginn der Infektion, wenn noch keine Symptome vorliegen. Viele stecken daher unwissend andere Menschen an. ;
Wie lange dauert die Krankheit?
Insgesamt kann der Keuchhusten bis zu 14 Wochen andauern. In China wird er deswegen auch der 100 Tage-Husten genannt. In dieser Zeit wird der Körper sehr geschwächt. Die Betroffenen fühlen sich schwach, auch weil die Hustenanfälle meist nachts kommen und sie nicht mehr richtig schlafen können. Die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit sinkt. Die Attacken und die Angst davor lassen den Keuchhusten zum Dauerstress für die Betroffenen und ihre Familie werden. ;
Wie kann Keuchhusten festgestellt werden?
Keuchhusten kann anhand der typischen Symptome festgestellt werden. Es gibt aber auch untypische Krankheitsverläufe, bei denen die Betroffenen keine Hustenattacken und Erbrechen haben und nicht um Luft ringen müssen. Daher sollte der Arzt immer einen Abstrich des Nasen-Rachenraums und eine Blutprobe auf Anzeichen einer Pertussis-Infektion untersuchen. ;
Wie wird Keuchhusten behandelt?
Zur Behandlung werden Antibiotika eingesetzt. Häufig muss die gesamte Familie prophylaktisch behandelt werden. Zusätzlich erhalten die Betroffenen weitere Medikamente gegen die Entzündungen, beispielsweise Cortison. ;
Was kann ich bei den Keuchhustenanfällen tun?
Hektik und Angst verschlimmern die Hustenattacken. Daher ist Ruhe oberstes Gebot. Bei den Attacken sollten die Betroffenen aufstehen. Das Beklopfen von Rücken und Fußsohlen hat sich bewährt. Um den Husten zu lindern ist viel frische Luft gut. Auch das Anfeuchten der Atemluft, ein nasskalter Waschlappen auf dem Brustkorb und viel Trinken wird empfohlen. Die Betroffenen verlieren in kurzer Zeit sehr viel Gewicht. Viele kleine Mahlzeiten helfen, bei Kräften zu bleiben. ;
Wie kann ich mich vor Keuchhusten schützen?
Der einzige Schutz vor Keuchhusten ist eine Impfung. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin, Säuglinge ab dem 2. Lebensmonat zu immunisieren. Zwischen dem 5. und 6. sowie zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr wird die Impfung jeweils aufgefrischt. Darüber hinaus empfiehlt die STIKO die Keuchhusten-Impfung für Erwachsene, die engen Kontakt zu Säuglingen haben, und für Frauen mit Kinderwunsch vor geplanter Schwangerschaft ? unabhängig von einer Grundimmunisierung im Kindes- oder Jugendalter. Mehrfach-Impfstoffe ermöglichen die zeitgleiche Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und gegebenenfalls Kinderlähmung. ;
Was ist Kinderlähmung?
Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz Polio genannt) ist eine akute Virusinfektion, hervorgerufen durch drei unterschiedliche Polioviren. Die Viren befallen bevorzugt Nervenzellen im Rückenmark, die für die Kontrolle der Muskeln zuständig sind.
Wie gefährlich ist Kinderlähmung?
Eine Infektion mit Polioviren kann unterschiedlich verlaufen. 90 bis 95 Prozent der Infizierten merken nichts von der Ansteckung. Es können unspezifische Symptome wie Fieber, Hals- und Kopfschmerzen auftreten, oder eine Hirnhautentzündung ohne Muskelerschlaffung. Gefürchtet ist die paralytische Form mit schlaffen Lähmungen der Arme, Beine und der Atemmuskulatur. Vor Einführung der Schutzimpfung gab es auch in Deutschland regelrechte Polioepidemien.
Gibt es in Deutschland überhaupt noch Kinderlähmung?
"Seit Anfang der 90er Jahre trat in Deutschland kein Poliofall mehr auf. Dies ist ein großer Erfolg der Impfkampagne ""Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung ist grausam"". In den letzten zehn Jahren wurden alle Fälle der Kinderlähmung in Deutschland von Reisen mitgebracht. "
Warum wird bei uns noch gegen Polio geimpft?
Solange Polio nicht weltweit ausgerottet ist, können die Viren jederzeit nach Deutschland eingeschleppt werden. Selbst in Europa treten vereinzelt immer wieder Fälle von Wildpolio-Infektionen auf, zum Beispiel 2001 in Bulgarien. Deshalb ist es wichtig, den Impfschutz gegen Polio auch bei uns flächendeckend aufrecht zu erhalten.
Warum ist eine Infektion mit Hepatitis B-Viren so gefährlich?
Hepatitis B-Viren verursachen eine extrem ansteckende Erkrankung der Leber gegen die nur eine Impfung schützt. Das Virus ist 100-mal ansteckender als das AIDS-Virus. Eine wirksame Therapie gibt es nicht. Durch die Leberentzündung werden die Leberzellen geschädigt. Dadurch kann die Leber ihre wichtige Aufgabe als Entgiftungsorgan des Körpers nicht mehr wahrnehmen. Stoffwechselprodukte reichern sich im Körper an. Dadurch kommt es zur Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht, Ikterus). Im fortgeschrittenen Stadium wird die Leber immer mehr zerstört (Zirrhose) und sogar Leberkrebs kann entstehen.
Was richten Hepatitis B-Viren im Körper an?
Die Viren zerstören Leberzellen, so dass deren Funktionen im Stoffwechsel ausfallen. Die Leber hat viele wichtige Aufgaben: Sie entgiftet den Körper, speichert Fette und Eiweiße und ist an der Bildung von roten Blutkörperchen und weiteren Blutbestandteilen beteiligt. Darüber hinaus trägt sie zum ordnungsgemäßen Ablauf der Verdauung bei. Leberzellen sorgen beispielsweise für den Abbau des Blutfarbstoffes. Ist diese Funktion gestört, so kommt es zur Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und der Augen). Für viele Betroffene mit einer zerstörten Leber stellt eine Lebertransplantation die einzige Rettung dar.
Woran erkennt man eine Hepatitis B-Infektion?
Nach zwei bis sechs Monaten kann sich eine Leberentzündung mit grippeähnlichen Symptomen ankündigen. Auch Gelenkschmerzen und Magen-Darm-Probleme können auftreten. Im weiteren Verlauf kann es zu einer Gelbfärbung der Augenbindehaut und später der Haut kommen. Durch die Leberschädigung wird der Urin dunkel und der Stuhl hell. 10 Prozent der erkrankten Erwachsenen und 90 Prozent der betroffenen Neugeborenen müssen mit einem chronischen Verlauf rechnen. Und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer Schrumpfleber (Leberzirrhose) oder sogar an Leberkrebs zu erkranken. Häufig verläuft eine Leberentzündung jedoch symptomlos. Trotzdem werden Hepatitis B-Viren ausgeschieden, so dass die Träger des Virus zur ständigen Gefahr für andere werden, oft ohne dass es ihnen selbst bewusst ist.
Kann die Hepatitis B-Erkrankung geheilt werden?
90 Prozent der Erkrankungen heilen nach etwa zwei bis drei Monaten aus. Bei 10 Prozent der infizierten Erwachsenen und bei 90 Prozent der infizierten Neugeborenen wird die Krankheit chronisch. Leberschrumpfung (Leberzirrhose) oder Leberkrebs können die Folge sein. Bei diesen Formen der Erkrankung sind die Chancen auf Heilung relativ gering. Ein Therapieversuch mit entzündungshemmendem Interferon und Medikamenten, die die Virusvermehrung hemmen, hilft nicht allen Patienten. Oft ist eine Lebertransplantation die einzige Hoffnung.
Wie kann man sich mit Hepatitis B-Viren infizieren? Welches sind die häufigsten Ansteckungswege?
Die Hepatitis B-Viren werden über Körperflüssigkeiten (Sperma, Speichel, Blut, Vaginalsekret) weitergegeben. Größte Gefahr besteht bei sexuellen Kontakten, bei Bluttransfusionen, bei der Dialyse und der gemeinsamen Nutzung von Injektionsnadeln. Weitere Infektionsquellen können auch kleine Wunden und Verletzungen sein. Auch das zurzeit beliebte Piercing und Tätowieren ist gefährlich. Selbst das gemeinsame Benutzen der Zahnbürste kann ein Übertragungsweg sein. Außerdem kann das Virus bereits in der Schwangerschaft bzw. bei der Geburt auf das Baby übertragen werden. Das Hepatitis B-Virus ist bis zu 100-mal infektiöser als das AIDS-Virus.
Wer ist gefährdet?
Grundsätzlich kann sich jeder anstecken, da bereits winzige Mengen des Virus in Blut oder anderen Körperflüssigkeiten ausreichen, um eine Infektion auszulösen.
Für wen wird eine Hepatitis B-Impfung empfohlen?
Die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin) empfiehlt eine Impfung gegen Hepatitis B für Säuglinge bzw. Kleinkinder und Jugendliche. Bei noch nicht geimpften Jugendlichen sollte die Impfung unbedingt nachgeholt werden. Bis zum 18. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten hierfür.
Ab welchem Alter kann man sich gegen die Hepatitis B-Infektion impfen lassen?
Der Impfstoff kann bereits ab dem ersten Lebenstag verabreicht werden. Insgesamt sind drei Impfungen für einen Basisschutz notwendig. Die Injektionen können zusammen mit den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder durchgeführt werden. Spätestens im Schulalter sollte eine Grundimmunisierung durchgeführt worden sein.
Immer wieder hört man, dass Masern eine harmlose Kinderkrankheit sind. Stimmt das?
Diese Ansicht ist zwar weit verbreitet, besteht aber leider zu Unrecht. Masern sind eine durch ein Virus ausgelöste Infektionskrankheit, die mit schweren Komplikationen einhergehen kann. Mittelohrentzündungen (Otitis media) oder Lungenentzündungen (Pneumonie) sind vor allem im Kleinkindalter typische Komplikationen. Besonders gefürchtet ist eine Entzündung des Hirngewebes, die sogenannte Masern-Enzephalitis. Etwa ein Drittel der daran Erkrankten stirbt, ein Drittel behält Restschäden zurück und nur ein Drittel übersteht diese schwere Komplikation ohne gesundheitliche Folgen.
Wie kann man sich mit Masern anstecken?
Das Masern-Virus wird durch Tröpfcheninfektion, also durch Niesen und Husten, übertragen. Typisch für die Erkrankung sind ein Hautausschlag und Veränderungen in der Mundschleimhaut. Das Masern-Virus ist eines der ansteckendsten Viren, die wir kennen. Allein in Deutschland erkranken jährlich mehr als 80.000 Menschen an Masern.
Ich hatte bereits als Kleinkind Masern. Kann ich mich mit dieser Krankheit trotzdem wieder anstecken?
Nein, Sie brauchen keine erneute Infektion zu befürchten. Denn wenn Masern schon einmal aufgetreten sind, ist die betroffene Person ein Leben lang gegen das Masern-Virus immun.
Wann sollte ich mein Kind gegen Masern impfen lassen?
Die erste Impfung sollte zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat erfolgen. Die notwendige zweite Impfung kann bereits vier Wochen nach der ersten erfolgen. Sinnvoll ist eine Kombinationsimpfung, die Ihr Kind auch gleichzeitig vor Mumps und Röteln schützt und ihm unnötige Einzelimpfungen erspart.
Was ist Mumps?
Mumps, im Volksmund auch Ziegenpeter genannt, ist gekennzeichnet durch eine Schwellung der Ohrspeicheldrüse. Diese Infektionskrankheit wird durch ein Virus hervorgerufen. Bei etwa 60 Prozent der Kinder verläuft Mumps ohne Krankheitserscheinungen.
Wie werden Mumps-Viren übertragen?
Mumps wird ausschließlich von Mensch zu Mensch über Husten oder Niesen (Tröpfcheninfektion) oder Schmierinfektion übertragen. Infektionsort ist die Schleimhaut des Nasen-Rachenraums.
Kann eine Erkrankung an Mumps gefährlich werden?
Im Normalfall verläuft diese Infektionskrankheit nicht schwerwiegend. Verschiedentlich kann es aber zu Entzündungen der Hirnhaut und des Hirngewebes sowie zum Hörverlust bis hin zur Taubheit kommen. Mumps ist heutzutage die häufigste Ursache für Schwerhörigkeit bei Kindern. Besonders gefährlich ist bei heranwachsenden und erwachsenen Männern eine Entzündung der Hoden, die zur Sterilität führen kann.
Wie kann man eine Mumps-Infektion verhindern?
Einen wirksamen Schutz bietet die Kombinationsimpfung, die gleichzeitig auch vor Masern und Röteln schützt. Die erste Injektion wird bei Kindern zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat, die zweite zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr verabreicht. Diese Dreifach-Impfung ist auch für den Erwachsenen noch sinnvoll.
Röteln werden immer wieder als banale Kinderkrankheit bezeichnet. Trifft das zu?
Meist verläuft eine Infektion mit Röteln-Viren, die durch Niesen oder Husten übertragen werden, unkompliziert. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen tritt der typische Hautausschlag nicht auf, manchmal fehlen auch andere Krankheitserscheinungen wie Fieber oder eine Schwellung der Lymphknoten. Wenn sich eine ungeschützte Schwangere mit den Röteln-Viren ansteckt, besteht jedoch ein hohes Missbildungsrisiko für das ungeborene Kind.
Warum ist eine Röteln-Infektion gerade in der Schwangerschaft so gefährlich?
Erkrankt eine ungeschützte Schwangere an Röteln, kann die Infektion das Ungeborene vor allem während der Organentwicklung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten schwer schädigen. Fehlbildungen des Kindes wie Blindheit, Taubheit, Herzfehler und geistige Behinderungen können die Folge sein. In Deutschland kommen jedes Jahr immer noch zwischen 50 und 100 Kinder mit dieser sogenannten Röteln-Embryopathie zur Welt. Darüber hinaus erhöht sich das Risiko einer Fehlgeburt.
Welches Alter ist die beste Zeit für eine Röteln-Impfung?
Empfohlen wird eine zweimalige Röteln-Impfung im Kindesalter. Die erste Impfung sollte zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat und die zweite zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr, spätestens aber vor Beginn der Pubertät erfolgen. Um unnötige Injektionen zu vermeiden, wird heute eine Dreifach-Impfung empfohlen, die auch gegen Masern und Mumps schützt.
Stimmt es, dass nur Mädchen einen Impfschutz vor einer Röteln-Infektion benötigen?
Nein, auch Jungen sollten gegen Röteln geimpft werden, da auch sie zu einer Ansteckungsquelle für ungeimpfte Schwangere werden können. Nur durch eine konsequente Durchimpfung der Bevölkerung können Ungeborene vor schweren Fehlbildungen bewahrt werden.
Wer soll gegen Windpocken geimpft werden?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt den Impfschutz gegen Windpocken als Standardimpfung für alle Kinder ab dem vollendeten 11. Lebensmonat bis zum 18. Geburtstag. Personen, die bisher noch nicht an Windpocken erkrankt oder dagegen geimpft sind, sollen die Impfung nachholen. Bis zum vollendeten 13. Lebensjahr ist eine einmalige Impfung ausreichend. Ältere Jugendliche und Erwachsene benötigen zwei Impfungen im Abstand von mindestens sechs Wochen. Die Impfung kann zeitgleich mit der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) erfolgen.
Warum wird die Impfung gegen Windpocken empfohlen?
Windpocken sind weltweit verbreitet und hoch ansteckend. Viel zu häufig werden sie als harmlose und mild verlaufende Kinderkrankheit verkannt. Windpocken-Viren können aber bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu schweren Krankheitsverläufen führen. Die Patienten müssen oft im Krankenhaus behandelt werden. Durch die Impfung ersparen Sie Ihrem Kind Windpocken und auch die Komplikationen.
Welche Komplikationen können bei Windpocken auftreten?
* Schwere Entzündungen an aufgekratzten und aufgeplatzten Bläschen durch Bakterien, diese können eventuell lebensbedrohliche Erkrankungs­verläufe nach sich ziehen. Gelangen die Bakterien in die Blutbahn, können auch andere Organe beeinträchtigt werden * Lungenentzündung * Mittelohrentzündungen * Mittelohrentzündungen * Neurologische Komplikationen, wie Hirnhaut- und Gehirnentzündung
Wie kann ich mein Kind vor Windpocken schützen?
Einziger Schutz gegen Windpocken ist die Impfung. Die frühzeitige Impfung im Kleinkindalter ? ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ? ist der beste Schutz, indirekt auch für nicht immune Erwachsene. Bislang ungeimpfte Kinder, Jugendliche und Erwachsene können auch noch nach Kontakt mit an Windpocken erkrankten Personen geimpft werden. Geschieht dies innerhalb von drei Tagen, lassen sich in neun von zehn Fällen die Krankheit und damit auch die Komplikationen verhindern.
Woher kommt der Name Windpocken?
"Die Übertragung des Windpocken-Virus erfolgt über Tröpfcheninfektion, beim Husten und Niesen. Da diese Tröpfchen auch über größere Distanzen verbreitet werden können, spricht man von einer fliegenden Infektion oder eben ""Wind""-Pocken. "
Wie ansteckend sind Windpocken?
Eine Ansteckung gilt als sicher, nach engem Kontakt mit einem Erkrankten für länger als eine Stunde. Bei Personen mit eingeschränktem Immunsystem genügen schon zehn Minuten.
Wann sind Windpocken ansteckend?
Zwei Tage vor Ausbruch des Hautausschlages bis etwa fünf Tage nach Auftreten der letzten Bläschen besteht die Gefahr, andere zu infizieren.
"Was versteht man unter dem ""Sternenhimmelphänomen""?"
Typischerweise treten die Hautveränderungen während einer Windpocken-Erkrankung in Schüben auf. Dies führt dazu, dass über den gesamten Körper verteilt ein Hautausschlag in verschiedenen Stadien zu finden ist. Rote Flecken wechseln sich mit Pusteln, Wasserbläschen und Krusten ab.
Muss ich mit weiteren Konsequenzen für meine Familie rechnen, wenn mein Kind Windpocken hat?
Ihr Kind darf, auch bei einer harmlos verlaufenden Windpockenerkrankung, nicht in die Kindertagesstätte, den Kindergarten oder in die Schule gehen Die Pflege des kranken Kindes zuhause kann vor allem für berufstätige Eltern zur großen Belastung werden: Kann keine andere Betreuung für das Kind gefunden werden, fällt ein Elternteil für mehrere Tage bei der Arbeit aus. Dies ist eine Belastung sowohl für die Eltern als auch für das kranke Kind. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr durch das Windpocken-Virus müssen ungeschützte Haushaltsmitglieder ebenfalls mit einer Wind­pocken­erkrankung rechnen.
Hat das Varizella-Zoster-Virus etwas mit Gürtelrose zu tun?
Ja, nach einer Windpocken-Infektion nistet sich das Varizella-Zoster-Virus in bestimmten Nervenknoten (Ganglien) ein. Kommt es durch höheres Alter, eine Krebserkrankung oder Immunsuppression (= künstliche Unterdrückung der Immunreaktion z.B. bei Transplantation oder Autoimmunkrankheit) zu einer Abschwächung der Immunität, kann das Virus reaktiviert werden und zu einer Gürtelrose führen. Der Altersgipfel bei der Gürtelrose liegt zwischen 60 und 70 Jahren. Achtung: Auch die Gürtelrose ist infektiös und kann bei empfänglichen Personen zu Windpocken führen.